Wie die soziale Blase den “Corona-Lockdown” ablösen kann

Das belgische Rezept zur Kontaktreduktion: Fünf Covid19-Freunde.
Wien “La bulle sociale” – die soziale Blase – ist das Maß der Freiheit für die Belgier. Sie ist das Synonym für die Kontaktbeschränkungen, welche die belgische Regierung ihren Bürgern auferlegt hat. Demnach gilt: Bis Ende September darf jeder Haushalt – also Personen, die unter demselben Dach wohnen – höchstens fünf weitere Personen treffen, mit denen der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden muss. Kinder unter zwölf Jahren werden nicht mitgerechnet.
Die Maßnahme ist so etwas wie ein entschärfter Lockdown und soll dabei helfen, das Coronavirus einzudämmen. Die Formel lautet: Je weniger Kontakte, desto geringer die Ansteckungsmöglichkeiten.
Belgien hat dieses Modell nicht erfunden, wie Gesundheitsexperte Armin Fidler vom Management Center Innsbruck erklärt. In den Niederlanden sei es bereits im April angewendet worden. Man habe Singles geraten, sich einen “Covid-Partner” zu suchen, um gemeinsam Dinge zu machen und sich umeinander zu kümmern. “Eine Zweckfreundschaft sozusagen”, sagt Fidler. In den USA habe man wiederum erlaubt, dass sich zwei oder drei Familien mit ihren Kindern treffen.
Der Ansatz in Belgien zeige, dass Lehren aus dem Lockdown gezogen worden seien. “Es macht keinen Sinn, Haushalte völlig zu isolieren. Das ist mit zu vielen Kollateralschäden für Kinder und Erwachsene behaftet.” Es sei deutlich besser, wenn man fünf Personen zum normalen Austausch nominieren kann.
Auch Gruppentreffen reguliert
Bei circa 11,5 Millionen Einwohnern zählten die Belgier in den vergangenen zwei bis drei Wochen zwischen 400 und 500 Neuinfektionen pro Tag. Die Einschränkungen wurden erst kürzlich verlängert. Demnach haben die Bürger auf Aufforderung der Behörden alle Personen aufzulisten, mit denen sie in engem Kontakt gestanden sind, also wer zu ihrer “bulle sociale” gehört. Alle anderen müssen stets auf 1,5 Meter Abstand gehalten werden. Gruppentreffen sind auf höchstens zehn Personen (exklusive Kinder unter zwölf Jahren) beschränkt. Dies gilt für alle Treffen, auch für jene in den eigenen vier Wänden.