Kein Sommer wie damals
Für echtes Sommerfeeling fehlt heuer nicht nur das Wetter, sondern vor allem die Unbeschwertheit, das Reisen, ja sogar der Ärger über die laute Grillparty beim Nachbarn. Nicht nur die steigenden Infektionszahlen hemmen unsere Urlaubslust. Die Unsicherheit, was im Herbst kommt, verleiht den Tagen eher Spannung statt Erholung. Selbst die Politik kommt nicht zur Ruhe, auch wenn der Bundeskanzler sich und uns einige Tage kommunikative Auszeit gönnte. Denn auch hier erlaubte Corona kein Sommerloch mit Nachrichtenflaute. Zu sehr beschäftigt alle der Start ins neue Schuljahr, die Überwindung der Wirtschaftskrise oder das Abflachen der Arbeitslosigkeit.
Ampel statt Sommerloch
Was waren das für Zeiten, als uns das Ungeheuer von Loch Ness, der Problembär Bruno, der Killerwels Kuno oder die Kuh Yvonne während der Nachrichtenflaute amüsierten, während Politiker urlaubten – manche sogar ungeniert im Ausland. Heuer müssen Reisewarnungen, Gratisteststationen und die vier Farben einer Ampel herhalten – und das ganz ohne Vergnügen. Nur zwei Dinge scheinen klar im August: Die Pandemie ist nicht zu Ende. Einen zweiten Lockdown darf es dennoch nicht geben. Die Regierung probt lieber Maßnahmen mit Vorwarnzeit und vereitelt so gleichzeitig den Erfolg. Denn wenn Autos schon das Virus bringen, dann taten sie dies ausreichend am Wochenende vor Inkrafttreten der verpflichtenden Tests.
Die Regierung probt lieber Maßnahmen mit Vorwarnzeit und vereitelt so gleichzeitig den Erfolg.
Generell scheinen Ein- und Rücksicht inzwischen ebenso rar gesät wie Geduld und Vertrauen auf bessere Zeiten. Der Stau Richtung Kroatien war vergangenen Samstag jedenfalls länger als der erwartete Ansturm zurück in die Heimat. Auch wenn er aus vorwiegend deutschen Autos bestand: Wer sagt, dass nicht auch diese bei einer Kaffeepause in Österreich das Virus einschleppen? Inzwischen müht sich Bildungsminister Heinz Fassmann mit seinem Wunsch nach geregelten Schulverhältnissen im Herbst. Der Tiroler Landeshauptmann schließt sich mit der Forderung nach Entschädigung für Après-Ski-Lokale an und unterstreicht nur die Hilflosigkeit der Politik.
Herbst ohne Kilbi
Einen Sommer wie früher können wir heuer ebenso abschreiben wie die Hoffnung auf einen Herbst in gewohnten Bahnen. Die Lustenauer Kilbi werden wir zwar vermissen, aber es ist wohl ein verschmerzbarer Verlust im Vergleich zur geschützten Gesundheit. Ob wir im Winter wieder die Schipisten stürmen, traut sich noch keiner zu sagen. Ebenso wenig, ob Gäste aus dem Ausland bei der Gondel anstehen. Jedenfalls ist von allen viel Vernunft gefordert, wenn mit fallenden Temperaturen das Risiko in geschlossenen Räumen steigt. Hoffen wir also auf eine Impfung und hohe Impfbereitschaft bis zum Frühling. Vielleicht wird dann der nächste Sommer wie er einmal war. Ein Sommer, in dem statt einer Corona-Ampel nur die Sonne und das Eis in gelb und orange lachen.
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