Schulalltag in Coronazeiten: Was auf Schüler und Lehrer im Herbst zukommt

Politik / 17.08.2020 • 19:00 Uhr
Schulalltag in Coronazeiten: Was auf Schüler und Lehrer im Herbst zukommt
Die Corona-Ampelfarbe legt fest, ob ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss oder nicht. Während des Unterrichts gilt keine Maskenpflicht. REUTERS

Bildungsminister Faßmann legt Pläne für Schulbetrieb in Coronazeiten vor.

wien, bregenz Der Schulbeginn rückt näher. Für Vorarlbergs Schüler und Pädagogen geht es am 14. September los. Ob ein weitgehend normaler Schulbetrieb möglich ist oder Auflagen wie eine Maskenpflicht nötig sind, hängt von der Corona-Ampel ab. Kritiker vermissen genauere Informationen.

Ist ein normaler Schulstart realistisch?

„Ich will ab Herbst einen normalen Regelbetrieb an den Schulen, soweit Normalität möglich ist“, kündigte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) an. Geteilte Klassen und Schichtbetrieb soll es nicht mehr geben. Stattdessen stehen häufiges Lüften, Unterricht im Freien, wann immer das möglich ist, und der Mund-Nasen-Schutz im Vordergrund. Großflächige Schulschließungen sollen möglichst vermieden werden, so Faßmann. Im Einzelfall könne es aber nötig sein. Auch Vorarlbergs Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) betont: „Das oberste Ziel besteht darin, das Schließen von Schulen zu verhindern.“

Welche Rolle spielt die Ampel?

Die von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) angekündigte Corona-Ampel liegt zwar noch nicht vor, soll aber den Schulalltag mitsteuern. Geplant ist, dass das Modell die Situation in den Bundesländern und auf Bezirksebene in vier Ampelphasen bewertet.  Bei grünem Licht soll in den Schulen weitgehend Normalbetrieb herrschen. Sobald die Ampel auf „gelb“ schaltet, muss außerhalb des Klassenzimmers ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Singen ohne Maske ist nur im Freien erlaubt. Schulsport muss draußen stattfinden. Bei „orange“ gibt es ab der Sekundarstufe II einen flexiblen Heimunterricht. Die Schulen entscheiden selbst, ob kleinere Gruppen vor Ort unterrichtet werden. Lehrerkonferenzen finden online statt, Schulveranstaltungen entfallen,  Singen ist nur noch im Freien erlaubt. Wenn die Ampel die Farbe „rot“ zeigt und im politischen Bezirk ein Lockdown notwendig wird, gilt für alle betroffenen Schüler Hausunterricht. Ein Notbetrieb an den Schulen wird sichergestellt. Dasselbe passiert bei Schließung einzelner Klassen oder Schulen. Eine Definition, ab wann sich die Ampelfarben ändern, steht noch aus. Das Gesundheitsressort hat den Ampel-Normalbetrieb für September geplant. In Vorarlberg kündigte Schöbi-Fink einen Schulgipfel mit Vertretern aus Gesundheit und Bildung an. Auch mit Vertretern elementarpädagogischer Einrichtungen ist ein Treffen geplant.

Was passiert bei einem Verdachtsfall?

Gibt es in der Klasse einen Verdacht, wird das betroffene Kind von den anderen Schülern abgesondert. Die Gesundheitsbehörde entscheidet dann über das weitere Vorgehen. Damit es einen besseren Überblick über das Infektionsgeschehen an Österreichs Schulen gibt, findet ein sogenanntes Monitoring statt. In Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten werden alle drei Wochen 15.000 Schüler und 1200 Lehrer an 250 Schulen getestet. Zum Einsatz kommt eine schmerzfreie Gurgelmethode.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Alexandra Loser, Vorsitzende der Vorarlberger Pflichtschullehrergewerkschaft, ist grundsätzlich positiv eingestellt. Es bleibe aber abzuwarten, wie die Ampelregelung im Detail funktioniere. „Mir ist noch nicht ganz klar, wie das Modell in den Schulen installiert wird.“ Außerdem müsse auch an die Sicherheit der Lehrpersonen gedacht werden, insbesondere für jene ab 60 Jahren. Für SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser sind noch eine ganze Reihe an Aspekten ungeklärt. „Die wichtigen Fragen – wann muss ein Kind zu Hause bleiben, wann wird die Klasse geschlossen und was passiert dann mit dem Unterricht – wurden vom Bildungsminister heute leider wieder nicht beantwortet.“ Bei den „brennendsten Punkten“ werde auf die Gesundheitsbehörden verwiesen. Auch SPÖ, FPÖ und Neos vermissen klare Regelungen.