Warum Corona für viele Menschen zur Armutsfalle wird

dowas verzeichnet mehr Anfragen. Zunahme bei Wohnungslosigkeit befürchtet.
Bregenz Die Coronakrise hat massive wirtschaftliche Auswirkungen. Besonders stark trifft das jene Menschen, die schon vor der Pandemie mit Armut und Arbeitslosigkeit zu kämpfen hatten. Aber auch andere, die bisher eigentlich gut über die Runden gekommen sind, sehen sich plötzlich mit sinkenden Einkommen und drohendem Wohnungsverlust konfrontiert. Das berichtet der Verein dowas (Der Ort für Wohnungs- und Arbeitssuchende) mit Sitz in Bregenz. Wie Geschäftsführer Peter Brunner und der Fachverantwortliche für die Beratung, Ferdinand Koller, im VN-Gespräch erläutern, gibt es seit Mai einen deutlichen Zulauf bei der Beratungsstelle.
Klarer Anstieg
Zwar meldeten sich während der Ausgangsbeschränkungen weniger Personen als im Vorjahr bei dowas. Doch die Zahl stieg zuletzt kontinuierlich an. Im Juni nahmen 204 Personen Beratungsleistungen in Anspruch. Das macht eine Steigerung von 36 Prozent zum Vormonat aus. Im Vergleich zum Juni 2019 zählt der Verein acht Prozent mehr Anfragen. Als drängende Themen der Klienten nennt Koller die Wohnungssuche, Arbeitslosigkeit, Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit sowie die neuen staatlichen Unterstützungsangebote. So habe es viele Anfragen zum Familienhärtefonds gegeben, aber auch zur Möglichkeit der Mietstundung.
Das frühzeitige Saisonende im Wintertourismus habe kurzzeitig zu einer höheren Belegung der Notschlafstelle geführt, berichtet Koller. „Viele Menschen im Tourismus und in der Gastronomie waren arbeitslos und haben ihre Wohnungen verloren. Menschen mit Mitarbeiterwohnungen wurde plötzlich gekündigt. Zwar ist das bei der Gruppe der Saisonarbeiter nicht komplett untypisch. Heuer war das aber zu diesem Zeitpunkt ungeplant.“ Brunner zufolge dürfte die Zahl der Wohnungslosen zunehmen. „Die Mietrückstände und die Einkommensverluste durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit werden sich mittel- und langfristig auf die Wohnungslosigkeit auswirken.“ Die Notschlafstelle hat zwölf Betten, drei davon befinden sich in im einem Frauenbereich. Vor dem Betreten wird Fieber gemessen, es gilt eine Maskenpflicht.
Was die Gesundheitsberatung und die Möglichkeit zum Spritzentausch für suchtkranke Menschen angeht, verzeichnet der Verein ebenfalls mehr Anfragen – allerdings habe das schon vor Corona begonnen, schildert Brunner. Während des Lockdowns war den Klienten der Aufenthalt in der Notschlafstelle und im Treffpunkt durchgehend erlaubt. Normalerweise sei das nicht möglich, da der Treffpunkt nachmittags und am Wochenende geschlossen ist. Koller berichtet, dass es Fälle von suchtkranken Menschen gegeben habe, die im Frühjahr eine stationäre Therapie antreten wollten, das aber plötzlich nicht mehr konnten. Wegen der Pandemie war keine Aufnahme mehr möglich. Suchtpatienten fanden sich auf der Straße wieder. „Da sind uns einige Fälle bekannt.“
Deutlicher Mehraufwand
dowas finanziert sich über Mitgliederbeiträge, Spenden und zum überwiegenden Teil aus Leistungserlösen und Förderungen durch das Land, den Bund und die Stadt Bregenz. Für heuer sei der Verein ausreichend finanziell ausgestattet, sagt Brunner. Durch Corona sei der Mehraufwand aber beträchtlich. Sollte ein zweiter Lockdown nötig werden, sei das für dowas nicht ohne entsprechende Unterstützung zu bewältigen. Der Geschäftsführer ortet eine große Unsicherheit unter den Klienten. „Es ist schwierig einzuschätzen, wie sich der Bedarf im Herbst und im Winter verändert.“ Sollte sich die wirtschaftliche Lage bessern, sinke zwar tendenziell die Anzahl der Personen, die Mindestsicherung beziehen. „Doch wenn es nicht genug Arbeitsplätze gibt und die Kurzarbeit nicht mehr ausreicht, wird es schwierig.“