Wie der Coronavirus das Urlaubsparadies St. Wolfgang erschüttert

Bereits mehr als 60 Infizierte. Vorarlberg verweist auf Teststrategie.
Linz, Bregenz Die Zahl jener Menschen, die sich im beliebten Urlaubsort St. Wolfgang im Salzkammergut mit dem Coronavirus angesteckt haben, steigt. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bezeichnet den Cluster als „besondere Herausforderung.“
Wie viele Fälle sind bekannt?
Bis Montagabend waren es bereits 62 positive Fälle. Das Ergebnis von 320 Tests stand allerdings noch aus. Der Großteil der Personen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, arbeiten in Tourismusbetrieben. Es handelt sich vor allem um junge Praktikanten. Derzeit ist bekannt, dass sich zumindest ein Urlaubsgast aus dem Burgenland infiziert hat. 18 Betriebe sind betroffen.
Werden Betriebe geschlossen?
Nachdem die ersten Infektionen bekannt wurden, haben zwei Bars von sich aus geschlossen. Weitere Maßnahmen wie Betriebsschließungen oder eine Quarantäne für den Ort sind nach Angaben der oberösterreichischen Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) derzeit nicht notwendig.
Was müssen Gäste beachten?
Seit Montag müssen Abreisende ein Formular ausfüllen und dabei unter anderem angeben, worher sie kommen und wohin sie fahren wollen. Die oberösterreichische Tourismusinformation hat eine Hotline eingerichtet. Sie richtet sich auch an jene, die einen Urlaub in St. Wolfgang geplant haben. Die Telefonnummer lautet 06138/8003.
Was sagt die Tourismusministerin?
In der vergangenen Woche versuchte Ressortchefin Elisabeth Köstinger (ÖVP) zu beruhigen. Alarmismus sei fehl am Platz, sagte sie. Nachverfolgung und Isolierung funktionierten gut. Sie beobachte aber die steigenden Infektionszahlen mit Sorge. Dass in den letzten vier Wochen nur 14.000 Corona-Abstriche bei Mitarbeitern der österreichischen Tourismusbetrieben genommen worden seien, sei nicht zufriedenstellend. Ursprünglich hatte die Bundesregierung 65.000 Tests pro Woche im Tourismus angekündigt. Die Opposition reagierte verärgert. „Das Ergebnis dieser türkisen PR-Show sehen wir jetzt in St. Wolfgang“, kritisierte etwa der Nationalratsabgeordnete Philip Kucher (SPÖ).
Wie ist die Lage in Vorarlberg?
In Vorarlberg funktioniere die Teststrategie, sagt Tourismuslandesrat Christian Gantner (ÖVP). Das Angebot werde von den Betrieben gut genutzt. Es fänden 1200 Tests in der Woche statt, und die Zahl steige weiter. Das Rote Kreuz hat vier Stützpunkte in Bludenz, Feldkirch, Bregenz und Egg eingerichtet. An rund 20 Örtlichkeiten führen mobile Teams Testungen durch. In den großen Urlaubsregionen werden zwei Testungen pro Woche am gleichen Ort durchgeführt. Die Betriebe können ihre Mitarbeiter online für die freiwilligen Tests anmelden. Gantner verweist darauf, dass es in Vorarlberg mit dem Montafon eine Pilotregion für die Teststrategie gegeben hat. „Daraus konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln.“ Mit dem Roten Kreuz sei es nun gelungen, ein dichtes Testnetz zu schaffen. Dabei sei auch die Kleinheit Vorarlbergs von Vorteil. „Der Sommertourismus gilt als Testlauf für den Winter“, erläutert der Landesrat. Für eine ähnliche Situation wie in St. Wolfgang sehe er derzeit „keinen Hinweis.“