Darum steht die Maskenpflicht vor dem Comeback

Regelung könnte heute beschlossen werden.
Wien Kommt die Maskenpflicht zurück? Das legen übereinstimmende Medienberichte vom Wochenende nahe. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte eine entsprechende Entscheidung für heute, Montag, an. Mit Vizekanzler Werner Kogler, Gesundheitsminister Rudolf Anschober (beide Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) wollte sich der beim EU-Gipfel in Brüssel weilende Kanzler am Sonntag bei einer Telefonkonferenz beraten. Ein gemeinsames Treffen soll heute, am Montag, stattfinden. Danach will die Regierung über ihren Beschluss informieren.
Tempo bei Ampelsystem
Zuletzt waren die Infektionszahlen deutlich gestiegen. Kurz will den Berichten zufolge daher neben einer rascheren Einführung des neuen Ampelsystems für regionale Ausbrüche eine Rückkehr zum verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz in bestimmten Bereichen. Das dürfte die Supermärkte betreffen. Ob auch die übrigen Geschäfte und die Gastronomie in die Vorgabe miteinbezogen werden könnten, war unklar. Vizekanzler Kogler hatte zuletzt im VN-Interview erklärt: „Für eine bundesweite allgemeine Maskenpflicht muss noch einiges passieren.“ Eine Debatte über diese Vorgabe in den Supermärkten sei davon aber zu unterscheiden, da jeder diese Geschäfte aufsuchen müsse. SPÖ und die Ärztekammer sprachen sich für ein Comeback der Masken aus.
Erst Mitte Juni war die Verpflichtung aufgehoben worden. Derzeit sind nur regionale Regelungen in Oberösterreich, in Salzburg und in Kärnten in Kraft. Bundesweit muss die Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Arztpraxen und im Spital, in Apotheken, bei Dienstleistungen ohne Mindestabstand, sowie in bestimmten Bereichen bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen angelegt werden.
„Oberstes Ziel hat natürlich die Gesundheit der Mitarbeiter, der Kunden und der Bevölkerung“, sagt Manfred Böhmwalder, Obmann der Wirtschaft amKumma in Götzis. Man habe zwar gehofft, dass die Lockerungen bestehen bleiben. Es sei aber klar gewesen, dass sich die Lage jederzeit wieder zuspitzen könne. Sollte sich die Regierung für eine Rückkehr der Maskenpflicht in den Geschäften entscheiden, sei das zu akzeptieren und „mit dem nötigen Hausverstand“ umzusetzen.
Seit die Pflicht gefallen ist, nahm der Umsatz zu. Die Gäste sind entspannter.
Andrew Nussbaumer, Sprecher der Vorarlberger Gastronomie
Für seine Branche sei ein Comeback des Mund-Nasen-Schutz schwierig, sagt Gastronomiesprecher Andrew Nussbaumer, der auch mehrere Eisdielen betreibt. Zumindest die Gäste sollten keinen tragen müssen, findet er. “Seit die Pflicht gefallen ist, nahm der Umsatz zu. Die Gäste sind entspannter. Viele Deutsche kommen zu uns, weil sie auf die Maske verzichten können.” Für die Mitarbeiter hätten Face-Shields zwar Erleichterung gebracht. “Doch Brillen- und Kontaktlinsenträger meldeten Probleme mit der Sonneneinstrahlung. Außerdem wurden sie nicht mehr so gut verstanden.” Für Thomas Krobath, dessen “Vabrik” in Sulz/Röthis seit sechs Wochen wieder geöffnet hat, könnte der Mund-Nasen-Schutz ein vorläufiges Betriebsende bedeuten. “Wenn die Maskenpflicht wieder kommt, wird es mit dem Innenbetrieb schwierig”, meint er. Ihm seien Kapazitätsgrenzen für geschlossene Räume lieber, solange die Infektionszahlen das zulassen. In manchen Supermärkten gilt bereits eine Maskenpflicht, allerdings nur für Angestellte. Das betrifft die Filialen von Billa, Merkur und Sutterlüty. Bei Sutterlüty müssen etwa die Mitarbeiter im Bedienungsbereich einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
Unter 100 Neuinfektionen
Am Sonntag war die Zahl der Neuinfektionen wieder angestiegen, aber nicht ganz so stark wie zuletzt. Nach mehreren Tagen mit mehr als 100 Neuinfektionen meldete das Innenministerium im 24-Stunden-Vergleich mit Stand 9.30 Uhr 82 neue Fälle. Die meisten davon gab es erneut in Oberösterreich.
Magdalena Raos, Matthias Rauch