Stopp-Corona-App: Die Kontakte werden sichtbar

Politik / 17.07.2020 • 14:00 Uhr
Stopp-Corona-App: Die Kontakte werden sichtbar
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) wirbt für die Nutzung der Stopp-Corona-App. APA

Verbesserungen bei der Anwendung: Bald sollen Kontakte des Vortags angezeigt werden.

Wien Nach und nach sind alle Kinderkrankheiten der Stopp-Corona-App beseitigt. Zwar gibt es noch eine irreführende Fehlermeldung und noch keine Anzeige der Kontaktaufzeichnungen. Doch auch das soll geändert werden, erklärt Chefentwickler Christian Winkelhofer von Accenture Österreich. Ziel sei außerdem, die App EU-weit nutzbar zu machen und mit den Anwendungen aus Deutschland oder Italien verbinden zu können. Dafür müsse aber erst die entsprechende Rechtsgrundlage geschaffen werden.

Funktioniert die Stopp-Corona-App überhaupt?

Ja, versichert Chefentwickler Christian Winkelhofer. Wer sie installiere und den automatischen Handshake aktiviere, könne sich sicher sein, dass die Kontakte am Gerät aufgezeichnet würden.

Funktioniert die Anwendung, auch wenn sie nur im Hintergrund läuft?

Ursprünglich gab es hier bei iOS-Nutzern (iPhones) Probleme. Das sei nicht mehr der Fall, die Fehler wurden beseitigt, erklärt Winkelhofer.

Kann es sein, dass mein Handy zu alt ist, um die App zum Laufen zu bringen?

Die Anwendung funktioniert auf Geräten, welche die Funktechnik „Bluetooth Low Energy“ unterstützen. „Das sind alle Geräte der vergangenen fünf Jahre“, hält der Entwickler fest. Damit seien 80 bis 90 Prozent des Marktes abgedeckt. Bei iPhones funktioniert die App demnach ab den Modellen 6s und 6s Plus. „Das ist auch die offizielle Auskunft von Apple.“

Warum poppt ständig die Meldung auf, dass die Stopp-Corona-App in meiner Region nicht unterstützt wird?

„Das ist eine irreführende Fehlermeldung“, erklärt Winkelhofer. Sie habe nichts zu bedeuten und gehe auf einen Fehler im Betriebssystem von iOS zurück. Mit dem nächsten Update werde dieser behoben.

Funktioniert die Anzeige der Kontaktüberprüfungen mittlerweile?

Ja. Zumindest besser. Man könne die Hintergrundüberprüfung anstoßen, wenn man die App nochmals öffne.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von APA Livecenter angezeigt.

Werden die Meldungen noch in Risikogruppen kategorisiert?

Ja. Damit habe Österreich den anderen Ländern einiges voraus, erklärt Winkelhofer. „Wenn ich Symptome habe, kann ich meinem Umfeld Bescheid geben.“ Dies wäre dann eine gelbe Warnung. „Die App schickt den Kontakten die Information, dass sie in den kommenden Tagen darauf achten müssen, Abstand zu halten. Damit haben wir drei bis fünf Tage Vorsprung, bis ich nach meinem Test überhaupt erfahre, ob ich Corona habe.“ Ist der Betroffene Covid19-positiv, wird die Warnung für seine Kontakte rot. Sie wissen, dass sie mit einem Infizierten in Kontakt waren. Ist er negativ, so wird die Warnung auf Grün gesetzt.

Werden mit der App auch Ortsangaben aufgezeichnet?

Nein, sagt der Chefentwickler. Die Privatsphäre bleibe absolut gewahrt. Es seien weder Orts- noch GPS-Daten in Verwendung. Die Identifikationsnummer (ID) werde alle 15 Minuten verändert, so könnten Meldungen auch nicht auf Einzelpersonen zurückgeführt werden.

Wie geht es mit der App jetzt weiter?

Die Stopp-Corona-Plattform wird nun über die Weiterentwicklung entscheiden. Das heißt, eine Gruppe von Vertretern aus dem Gesundheitsbereich und der Politik, Sozialpartnern, Datenschützern und zivilgesellschaftlichen Initiativen wird die nächsten Schritte vorgeben.

Wird die Stopp-Corona-App bald EU-weit funktionieren?

Das ist das Ziel, kündigt Chefentwickler Winkelhofer an. Es brauche aber eine Rechtsgrundlage, um den Austausch zwischen den Apps zu ermöglichen. „Dann brauche ich im EU-Ausland nicht mehr die App wechseln und kann die österreichische weiterverwenden.“

Werden die Kontakte irgendwann einmal sichtbar?

Aktuell kann der App-Nutzer nur über die Kontaktüberprüfungen vermuten, ob er jemandem bereits digital die Hände geschüttelt hat. Das liege an den Betriebssystemen von Google und Apple. Die Konzerne hatten ursprünglich Datenschutzbedenken angemeldet. Künftig soll aber die Anzahl der Kontaktschlüssel vom vergangenen Tag angezeigt werden, um die Aktivität der App sichtbar zu machen. Google und Apple hätten dies bereits für den nächsten Release angekündigt, sagt Winkelhofer.