Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Politischer Sexismus

Politik / 15.07.2020 • 11:00 Uhr

Wer für seriöse Information stehen will, darf keine leichtbekleideten Frauen aus Torten springen lassen. In echt ohnehin nicht, aber auch nicht gezeichnet. Diese Lektion lernte kürzlich eine österreichische Tageszeitung. Zerknirscht löschte sie die Karikatur von Pamela Rendi-Wagner und entschuldigte sich umgehend. Die Empörung der SPÖ-Chefin wegen herabwürdigender Darstellung wurde sogar von Politikerinnen anderer Parteien ohne Einschränkung unterstützt. Politik kann manchmal auch gemeinsam.

Ob die Karikatur sexistisch war und wie weit Satire gehen darf, ist nicht eindeutig festgelegt. Klar ist nur, beide Formen spielen mit Klischees und betonen das Lächerliche überdeutlich. In der Werbung hingegen ist die sexualisierte Darstellung als sichtbarste Form des Sexismus eindeutig definiert. Wenn Frauenkörper nichts mit dem Produkt zu tun haben (wie bei Bier, Aktien oder Gartenzäunen), sollten sie auch nicht dafür werben. Und nein: Ein leichtbekleideter Mann entschuldigt nicht die vielen halbnackten Frauen in unpassenden Zusammenhängen. Frauen sind weder Konsumartikel noch hübsches Beiwerk im Jahr 2020. Die Werbeindustrie wird wie manche Karikaturisten zukünftig wohl einfach mehr Phantasie aufbringen müssen.

Frauen sind weder Konsumartikel noch hübsches Beiwerk im Jahr 2020.

Einig gegen Gewalt

So wie die Politik in der Umsetzung jener Gleichstellung, die sie in allen Sonntagsreden und Regierungsprogrammen ankündigt. Wichtiger Bestandteil ist jedenfalls der Schutz von Frauen gegen Gewalt. Reale wie verbale, persönliche wie virale, strukturelle wie persönliche, physische wie psychische. Drei Ministerinnen präsentierten dazu ebenso parteiübergreifend neue Maßnahmen gegen Hass im Netz, Cybermobbing und Upskirting. Wobei bei Letzterem erst geklärt werden muss, ob heimliches Fotografieren unter den Rock oder in einen Ausschnitt schon verboten ist oder erst das Teilen der Bilder in der Öffentlichkeit. Unter Umständen könnte das rein private Betrachten der unfreiwilligen Einblicke konsequenzlos sein. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Frauen aller Parteien das zu verhindern wissen.

Progressiv durch Gleichstellung

Doch Solidarität sollte sich nicht nur auf symbolische Themen wie Protest gegen Karikaturen in regionalen Blättern oder übergriffige Fotos auf privaten Handys beschränken. Nötig wäre der parteiübergreifende Zusammenhalt bei echten Gleichstellungsmaßnahmen für Frauen und Männer. Etwa beim Schließen der Lohn- und Einkommenslücken, wie des vor allem in Vorarlberg beschämend großen Unterschieds zwischen Männer- und Frauenpensionen. Oder bei der gerechteren Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit sowie bei Führungsjobs. Da gibt es allerorts viel Aufholbedarf und vor allem im wirtschaftlich sich gern progressiv darstellenden Ländle.