So viele Milliarden kostet Österreich die Klimakrise

Das Nichtstun kostet die Österreicher auch heuer viel Geld. Kosten für Klimaschäden haben sich verdoppelt.
Wien Die Klimakrise ist in Österreich längst angekommen. Landwirte klagen über Trockenheit. Die Hitzewelle forderte laut der österreichischen Gesundheitsagentur AGES 2018 über 760 und 2019 fast 200 Hitzetote. Der Borkenkäfer frisst sich durch die Wälder, Allergien dauern länger und Unwetter verursachen immer größere Schäden. Allein heuer kostet die Klimakrise Österreich 15 Milliarden Euro, wie eine Studie des Grazer Wegener Centers zeigt, die sich mit den „Kosten des Nicht-Handelns“ („COIN“) auseinandersetzt. Klimaministerin Leonore Gewessler sieht in den Ergebnissen einen Handlungsauftrag. Wie die VN berichteten, wird das Erneuerbaren-Ausbaugesetz noch im Sommer in Begutachtung gehen. Am Zeitplan der ökosozialen Steuerreform hält die Bundesregierung fest. Ab 2022 könne somit mit einer CO2-Bepreisung gerechnet werden, sagt Gewessler.
15 Milliarden Euro sind viel Geld. Zum Vergleich: Die Auszahlungen des Bundes beliefen sich 2019 auf knapp 79 Milliarden Euro. Knapp 20 Milliarden machten beispielsweise die Pensionskosten aus. In die Bildung wurden 8,9 Milliarden investiert, 2,3 Milliarden ins Militär und 1,6 Milliarden in die Justiz.
Die Klimakosten von 15 Milliarden Euro im Jahr 2020 setzen sich laut Studie wie folgt zusammen: Durch fossile Importe entstehen jährlich Wertschöpfungsverluste von acht Milliarden. Umweltschädliche Förderungen belasten das Budget mit rund vier Milliarden. Anpassungskosten machen rund eine Milliarde aus. Ein Beispiel dafür sind Maßnahmen, um die Hitze in Städten ertragbarer zu machen. Hinzu kommen zwei Milliarden Euro teure Schäden durch Unwetter und Schädlinge. Als die erste „COIN“-Studie 2015 verfasst wurde, lagen diese Kosten noch bei einer Milliarde pro Jahr, sagt Ingmar Höbarth vom Klima und Energiefonds: „Der Klimawandel ist zur Klimakrise geworden.“
Die Studienautoren warnen, dass die Schadenskosten bis 2050 auf jährlich zwölf Milliarden Euro steigen, wenn nicht gegengesteuert wird. Die Anpassungskosten würden sich auf zwei Milliarden verdoppeln. Studienautor und Umweltökonom Karl Steiniger prognostiziert außerdem wachsende Wertschöpfungsverluste. Gewessler sieht das als Handlungsauftrag. Sie will hin zu einer Co2-Steuer und einer ökosozialen Steuerreform. Es werde daran gearbeitet. Steiner ergänzt: „Wir haben gelernt, dass schnelles Handeln wirkt.“ Das Nichtstun birgt laut Studie die größte Gefahr. Und die teuerste. VN-EBI
Aktuell läuft die Eintragungswoche des Klimavolksbegehrens. Bis 29. Juni kann es noch unterschrieben werden. Weitere Informationen unter www.klimavolksbegehren.at