S-Bahn-Projekt: Nun sind die Liechtensteiner am Wort

Politik / 09.06.2020 • 18:00 Uhr
S-Bahn-Projekt: Nun sind die Liechtensteiner am Wort
nicole symbolbild symbolbilder bahn bahnhof dornbirn

Landtag stimmt zu, Abstimmung wohl am 30. August.

vaduz Das grenzüberschreitende S-Bahn-Projekt Liechtenstein hat die nächste Hürde genommen. Der Landtag im Fürstentum stimmte dem Ansinnen beziehungsweise einem Verpflichtungskredit von 71,3 Millionen Franken mehrheitlich zu. 18 Abgeordnete waren nach der fünfeinhalbstündigen Debatte dafür, berichtet das „Liechtensteiner Volksblatt“. Doch bevor es aber endgültig grünes Licht gibt, kommt es zur Volksabstimmung. Die Liechtensteiner dürften Ende August das letzte Wort haben. Das Projekt soll die bestehende S-Bahn Vorarlberg und die S-Bahn in St. Gallen zu einem regionalen Gesamtsystem verbinden. Die Bahnstrecke führt dann von Feldkirch über Liechtenstein bis nach Buchs.

Optimismus in Vorarlberg

Vorarlbergs Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (Grüne) zeigte sich am Dienstag zuversichtlich. Mit dem Beschluss des Landtags im Fürstentum sei ein weiterer Schritt getan, um das Projekt zu realisieren. „Ich bin zuversichtlich, dass eine Mehrheit der Liechtensteiner Bevölkerung dafür zu gewinnen sein wird, weil die S-Bahn Liechtenstein nicht nur die Anbindung des Fürstentums an den Fernverkehr und die Verbesserung des Nahverkehrs sichert, sondern auch den Wirtschaftsstandort nachhaltig stärkt.“ Das grenzüberschreitende S-Bahn-Projekt war früher unter dem Namen FL.A.CH bekannt. Wegen einem Streit um die Finanzierung wurde es 2015 auf Eis gelegt. Heuer nahm das Vorhaben wieder Fahrt auf. Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) und der in Liechtenstein zuständige Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch konnten im April eine gemeinsame Absichtserklärung vorlegen.

Wie die Liechtensteiner Regierung damals bekannt gab, ist das Projekt insgesamt mit Kosten von 197 Millionen Franken veranschlagt. Nach derzeitigem Umrechnungskurs macht das rund 183 Millionen Euro aus. Von den in Liechtenstein anfallenden Ausgaben von 122 Millionen Franken trägt das Fürstentum 54,5 Prozent. Den Rest bezahlt Österreich.

Zehn Haltestellen

Vorgesehen ist unter anderem, dass die S-Bahn im Halbstundentakt fahren soll, zudem bleibt der Railjet in Nendeln stehen. Insgesamt wird es zehn Haltestellen geben: fünf in Vorarlberg, vier in Liechtenstein und eine in der Schweiz. In Tosters entsteht eine neue Haltestelle. Außerdem werden die Bahnhöfe Nendeln und Schaanwald umgebaut. Teil des Projekts sind auch Adaptierungen im Liechtensteiner Straßenverkehr. Dass es zu einer Volksabstimmung im Fürstentum kommen wird, war im Vorhinein klar. Die Abgeordneten im Landtag stimmten mehrheitlich dafür, die Vorlage den Stimmbürgern vorzulegen. Als wahrscheinlicher Termin gilt der 30. August. Sind die Liechtensteiner dafür, könnte sofort gebaut werden. Dem ÖBB-Rahmenplan zufolge hat das Projekt einen Zeithorizont bis 2027.