Bludenzer schildert Unruhen in Santa Monica

Der Bludenzer Christian Eckert lebt und arbeitet in Kalifornien. Er schildert die Auswirkungen der Unruhen im Badeort bei L.A.
Santa Monica Die Unruhen infolge des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd ziehen in den USA weite Kreise. Das musste auch der Bludenzer Christian Eckert bemerken. Der Designer lebt in Santa Monica, einem Bade- und Vergnügungsort an der Pazifikküste bei Los Angeles. “Es gibt täglich Proteste in Los Angeles”, erzählt er. Die Stadt ist riesig, und Demonstrationen müssten in Kalifornien nicht angemeldet werden. Aber am Wochenende griffen die gewaltsamen Proteste auch nach Santa Monica über. “Seit letzten Samstag gibt es Ausgangssperren”, berichtet Eckert, auch im üblicherweise beschaulichen Santa Monica. “Das wird von der Polizei vor allem genutzt, um Plünderungen zu verhindern”, erzählt der Bludenzer: “Nach Eintreten der Ausgangssperre kann jeder in Gewahrsam genommen werden, der noch auf der Straße unterwegs ist.”
Trotzdem waren die Demonstrationen am Sonntag auch in Santa Monica von Plünderungen überschattet. Viele Geschäfte, Banken und Restaurants wurden verwüstet und ausgeraubt. “Das ist für viele Betriebe extra bitter, denn es wäre das erste Wochenende gewesen, an dem Geschäfte und Lokale wieder öffnen hätten können”, erzählt der Bludenzer. Am Sonntag war die Spannung in Santa Monica greifbar. Über der Stadt kreisten Tag und Nacht viele Hubschrauber, und gegen Abend trat auch die Nationalgarde in Erscheinung.

“Als ich am nächsten Tag zum Büro gelaufen bin, war ich ziemlich geschockt vom Ausmaß der Zerstörungen”, schildert Eckert den VN seine Eindrücke. “Es fühlt sich auch nicht besonders gut an, wenn plötzlich an vielen Straßenkreuzungen schwer bewaffnete Soldaten zu sehen sind.” Aber der Bludenzer hat auch positive Erlebnisse gehabt. “Bereits in den frühen Morgenstunden waren unzählige freiwillige Helfer auf der Straße um “unsere Stadt” wieder aufzuräumen – auch das ist typisch amerikanisch und sehr beeindruckend.”

Eckert glaubt, dass gerade die Plünderungen und Ausschreitungen auch von außen nach Santa Monica getragen wurden. Von den etwa 400 Personen, die in der Nacht von Sonntag auf Montag festgenommen wurden, seien 95 Prozent nicht Bewohner der Stadt gewesen. “Diese Gruppen folgen den Demonstrationen und nutzen das Chaos vor Ort, um noch mehr Chaos zu stiften, hauptsächlich aber auch um Geschäfte zu plündern”, glaubt er. An eine Beruhigung der Lage glaubt der Bludenzer nicht, es seien weitere Demonstrationen und Proteste angesagt. Viel Frust der sich schon länger aufgestaut habe, entlädt sich seiner Einschätzung nach derzeit – und das auch im schönen Santa Monica.