Schneller mit dem Zug nach Wien

Staatssekretär Brunner über die vielen Zwischenhalte in Tirol und den Poker mit der AUA.
Wien Die Zugverbindung zwischen Vorarlberg und Wien soll beschleunigt werden. Es gebe Bemühungen in diese Richtung, erklärt Magnus Brunner (ÖVP), Staatssekretär im Verkehrsministerium. Er kann sich ein Mischsystem aus Zügen mit und ohne den zahlreichen Tiroler Zwischenhalten vorstellen. Eingedeckt ist Brunner aber vielmehr mit den Verhandlungen über Staatshilfen für die Austria Airlines (AUA). Diese hätten einen Finanzbedarf von 600 Millionen Euro. Garantien seien nötig. Bis hin zur Insolvenz seien alle Szenarien möglich.
Sie pendeln viel zwischen Vorarlberg und Wien. Wie hat sich das in der Coronakrise verändert?
Vor Corona bin ich je nach Terminlage geflogen oder mit dem Zug gefahren, derzeit pendle ich nur mit dem Zug.
Es geistert offenbar ein Papier umher, dass man auf der Zugstrecke von Vorarlberg nach Wien ordentlich Zeit einsparen könnte, etwa wenn man auf die vielen Zwischenhalte in Tirol verzichtet. Ist da etwas in Planung?
Das Papier kenne ich nicht, aber dass es Bemühungen gibt, die Zugverbindung zu beschleunigen, stimmt. Das geht sowohl über die Arlbergstrecke als auch über Deutschland. Wenn die Streckenelektrifizierung in Süddeutschland erledigt ist, kann man natürlich auch Bregenz – München – München – Wien andenken. Da gibt es dann keinen Berg dazwischen.
Wie schnell könnte die Zugverbindung zwischen Vorarlberg und Wien werden?
Was an Zeitgewinn drinnen wäre, hängt natürlich von den Schrauben ab, an denen wir drehen. Das lässt sich so leider nicht abschätzen.
Wird darüber nachgedacht, auf gewisse Haltestellen in Tirol zu verzichten?
Hier gibt es unterschiedliche Modelle, es ist gerade für den Tourismus in Tirol wichtig, dass die Täler gut erreichbar sind. Dabei müssen wir beide Seiten berücksichtigen: die wirtschaftlichen Auswirkungen in Tirol und die Geschwindigkeit. Aber die Überlegung gibt es schon, eine Mischung anzubieten, dass manche Züge durchfahren und andere nicht.
Zahlreiche Wirtschaftstreibende, auch Politiker nutzen die Flugverbindung Altenrhein-Wien. Gibt es dazu ein Update?
Ab dem 15. Juni gehen die Grenzen zur Schweiz auf, ab dann ist es aus unserer Sicht wieder möglich, von Altenrhein nach Wien zu fliegen. Die Peoples Airline bietet dafür schon erste Flüge an.
War es ein Fehler, dass sich die AUA zurückgezogen hat?
Das war eine unternehmerische Entscheidung der AUA.
Gibt es was Neues von den Verhandlungen mit der AUA?
Sie laufen intensiv. Uns ist die Bedeutung der AUA für den Wirtschaftsstandort bewusst. Aber wenn man Steuergeld in die Hand nimmt, muss es gewisse Standortgarantien geben, was Langstrecke, Drehkreuz Wien, Arbeitsplätze und ökologische Maßnahmen betrifft.
Um wie viel Geld geht es aktuell?
Die AUA hat ursprünglich einen Bedarf von knapp 800 Millionen Euro angegeben, mittlerweile sind es aufgrund der positiven Entwicklung 600 Millionen. Das setzt sich aus Garantien, rückzahlbaren Krediten und Zuschüssen zusammen.
Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (Grüne) stellte die Frage, warum österreichische Steuerzahler mehrere Hundert Millionen Euro in ein deutsches Unternehmen stecken müssen?
Die AUA ist eine heimische Fluglinie und hat für den Wirtschaftsstandort vor allem im Osten Österreichs eine unglaubliche Bedeutung: 7000 direkte Arbeitsplätze, 55.000 Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette. Daher führen wir die aktuelle Diskussion, wie und unter welchen Bedingungen wir das erhalten können. Ohne Standortgarantien seitens der AUA und des Eigentümers Lufthansa wird es nicht gehen.
Was sind die Knackpunkte?
Es geht hauptsächlich um die Langstrecke, um die Verbindung von Österreich in die Welt sicherzustellen. Es geht auch um das Drehkreuz Wien, wie viele Destinationen und welche Flieger wird es geben? Dann sind aber auch ökologische Maßnahmen Voraussetzung.
Sind noch alle Szenarien bis zur Insolvenz möglich?
Es werden alle Optionen diskutiert, am Schluss müssen wir entscheiden, ob das Gesamtpaket annehmbar ist oder nicht.
Könnte eine Standortgarantie auch eine Strecke voraussetzen, um Vorarlberg etwa über Altenrhein an den Osten Österreichs anzubinden?
Die AUA fliegt nicht nach Altenrhein. Das ist die Peoples. Diese Verbindung ist als Wirtschaftsstandort Vorarlberg wichtig, hat mit diesen Verhandlungen aber nichts zu tun.
Passen ökologische Maßnahmen und Flugverkehr überhaupt zusammen?
Natürlich. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, so sind etwa Investitionen in neuere Flugzeuge möglich, die wesentlich emissionsärmer sind. Das ist in den Gesprächen mit der Lufthansa auch Thema. Dann geht es auch um die Entwicklung alternativer Treibstoffe. Da muss noch viel in die Forschung investiert werden.
Forschung kostet Geld, neue Flugzeuge kosten Geld. Wie können sich das die Betriebe leisten, die ohnehin schon wirtschaftlich am Boden liegen?
Daran werden sie nicht vorbeikommen, wenn sie zukunftsfit bleiben möchten. Dabei handelt es sich um langfristige Projekte.
Gehört es zu den Garantien, die zugesagt werden müssen, dass sich die AUA nicht nur auf Wien konzentriert, sondern auch auf Regionalflughäfen wie jenen in Innsbruck?
Das wird in den Gesprächen diskutiert. Die Regionalflughäfen sind für uns und für die AUA wichtig, vor allem als Zubringer und für die Anbindung der Bundesländer in die Welt. Es ist aber eine betriebswirtschaftliche Entscheidung der AUA.
Am 15. Juni öffnen die ersten Grenzen wieder. Wie sieht es ab dann mit dem Flugverkehr aus?
Das ist ein laufender Prozess, es wird auf mehreren Ebenen diskutiert, wie man die Luftfahrt wieder hochfahren kann. Am Flughafen und beim Einstieg in den Flieger muss man zum Beispiel immer auf Abstand halten achten. Im Flieger selbst gibt es unterschiedliche Überlegungen. Die Experten meinen, den Mittelsitz freizulassen, macht nicht viel Sinn, da aufgrund der Zirkulation der Lüftung die Ansteckungsgefahr nicht so groß ist. Aber es wird wichtig sein, regelmäßig zu desinfizieren und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.
Kann man innerhalb der EU dann wieder ohne Kontrollen mit dem Flugzeug reisen.
Dort wo die Grenzen geöffnet sind, ja. Wir fordern eine Vereinheitlichung der Einreisebestimmungen bei Luft, Land und Wasser. Aber natürlich ist es beim Flughafen komplizierter, mit Abstand halten, Sicherheitschecks, etc.
Was passiert, wenn Deutschland anders als Österreich etwa zu Großbritannien öffnen will und ein Brite dann über Deutschland nach Österreich fliegt?
Was Großbritannien betrifft, da wird sicher ein einheitliches Vorgehen zwischen Deutschland und Österreich notwendig sein.
Wohin werden wir denn im Sommer in den Urlaub fliegen können?
Wenn es irgendwie geht, sollte man im Sommer Urlaub in Österreich machen. Das tut unserem Tourismus und unseren Wirten gut.
Gibt es Fortschritte bei der geplanten Ökostromnovelle?
Ja. Wir arbeiten auf Hochtouren an einem Entwurf, der hoffentlich bis zum Sommer vorgelegt werden kann.
Steht ein Beschluss bis Ende des Jahres an?
Das hoffe ich, dafür brauchen wir eine Zweidrittelmehrheit im Parlament.
Spätester Zeitpunkt ist aber 2022?
Bis dahin läuft das bisher bestehende Ökostromgesetz. Ziel ist, bis 2021 das Erneuerbaren Ausbaugesetz in Kraft zu setzen.
Haben Sie den Besuch im Kleinwalsertal schon verarbeitet?
Da sind sicher Fehler bei der Vorbereitung passiert. In derselben Nacht wurde noch ein Konzept erarbeitet, wie solche Fehler vermieden werden können.