Grenzöffnung auch für Corona-Apps

Schnittstelle von Google und Apple könnte verschiedene Apps verbinden. Rotes Kreuz arbeitet an Anpassung.
Wien Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich zwei konkurrierende Softwareriesen zusammenschließen. Die Coronakrise macht allerdings vieles möglich. So brachten Apple und Google erst jüngst eine gemeinsame Schnittstelle auf den Markt, die es erleichtern soll, Kontakte aufzuzeichnen und bei einer allfälligen Covid19-Infektion nachzuverfolgen. Dies wäre dann auch grenz- und App-überschreitend möglich. Das Rote Kreuz arbeitet bereits daran, die Stopp Corona-App entsprechend anzupassen.
Keine Verpflichtung
Das Gesundheitsministerium empfiehlt nach wie vor, die Anwendung freiwillig zu verwenden. Die freiwillige Nutzung könne bei der Rückverfolgung möglicher Infektionsketten unterstützend sein, sagt auch Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) zu den VN: “Eine verpflichtende App wird es nicht geben.”
Stopp Corona war die erste ihrer Art und zwischenzeitlich in Regierungskreisen scharfer Kritik ausgesetzt. Es war hinter den Kulissen sogar die Rede davon, sie auslaufen zu lassen und eine gänzlich neue Anwendung aus dem Boden zu stampfen. Passiert ist das nicht. Stopp Corona bleibt die offizielle Contact Tracing-App für Österreich.
Google und Apple erlauben pro Land nur einer offiziell von den Gesundheitsbehörden zugelassenen Anwendung, auf ihre Schnittstelle zuzugreifen. Mit ihr sollen die Apps auf iOS- und Android-Geräten gleichermaßen funktionieren. Bisher verhinderten etwa Sicherheitsvorkehrungen des Apple-Betriebssystems oder der laufende Energiesparmodus auf Androidgeräten die Aufzeichnung von Kontakten im Hintergrund.
Verwenden alle nationalen Apps dieselbe Schnittstelle, ist es außerdem möglich, dass sie sich untereinander verbinden, was erst ein grenzüberschreitendes Kontakttagebuch möglich macht. Dieses wird mittels Bluetooth-Signalen erstellt, welche die Entfernung zwischen Smartphones misst. Sie tauschen einen Kryptoschlüssel aus. Begegnungen werden so gespeichert. Meldet sich eine Person krank, werden ihre Kontakte informiert.
Die Stopp Corona-App wurde mittlerweile 618.000 Mal heruntergeladen, erklärt das Rote Kreuz. Sobald die Anwendung auf die Schnittstelle zugreifen kann, werde sie endgültig voll funktionsfähig sein. In spätestens drei Wochen soll es so weit sein. Pünktlich zur Grenzöffnung im Vierländereck.