Coronakrise in Nepal: Hunger setzt den Ärmsten zu

Vorarlbergerin berichtet von der schwierigen Situation der Menschen im Himalaya-Land.
Kathmandu, Bizau Die Coronakrise hat Nepal schwer getroffen. Die Haupteinnahmequelle desHimalaya-Landes, der Tourismus, ist versiegt, es gilt ein strenger Lockdown. Das hat dazu geführt, dass es den Menschen an den dringendsten Grundnahrungsmitteln fehlt. „Der Mangel an Essen trifft die Nepalesen noch stärker als Covid19“, sagt die Bizauerin Sabine Klotz, Obfrau der Hilfsorganisation Chay Ya Austria. „Die Ernte verrottet auf den Feldern, die Gemüsepreise sind gestiegen. Man darf nur kurz aus der Wohnung hinaus. Die Tagelöhner, die normalerweise das, was sie am Tag verdienen, für Nahrungsmittel ausgeben, sind plötzlich arbeitslos geworden.“
Wichtige Schutzausrüstung
Der Lockdown werde sicher noch länger dauern, glaubt Klotz. Denn das Gesundheitssystem sei nicht gewappnet für das Virus. Gemeinsam mit anderen NGOs hat Chay Ya Austria deshalb 30.000 Euro gesammelt, um das medizinische Personal mit Schutzanzügen und Masken auszurüsten. Drei Wochen war die Lieferung aus Shanghai auf dem Landweg unterwegs. Klotz hat alles organisiert. Zumindest eine Zeit lang werde das Material nun ausreichen, hofft die engagierte Helferin. Nun gelte es in erster Linie, die Nahrungsmittelsituation in Angriff zu nehmen.

Nach Zahlen der Johns Hopkins Universität zählt Nepal bei einer Bevölkerung von rund 28 Millionen Menschen bisher rund 400 Personen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden (Stand Dienstag). Das sei aber nicht realistisch, meint Klotz. „Es gibt viel zu wenige Tests.“ Man müsse die gemeldeten Zahlen mal hundert multiplizieren, ist sich die Bezauerin sicher. Bisher hat das Land zwei Todesfälle gemeldet. Im benachbarten Indien (rund 1,4 Milliarden Einwohner) wurden mehr als 102.280 Menschen positiv getestet, über 3160 sind verstorben. Als das Land einen strengen Lockdown verkündete, machten sich zahlreiche nepalesische Wanderarbeiter auf den Heimweg. „Sie haben das Virus mitgebracht. Die meisten Fälle gibt es an der indischen Grenze.“
Reise abgebrochen
Eine Verbesserung der Situation ist derzeit nicht in Sicht. Der Tourismus wird sich wohl noch länger nicht erholen, vermutet Klotz. Nicht nur das Virus, sondern auch Armut, Hunger und Polizeigewalt machen den Menschen zu schaffen. Um die schlimmste Not zu lindern, verteilt Chay Ya Austria Essenspakete an besonders hilfsbedürftige Menschen. „Wenn wir Essen verteilen, werden wir nie fertig. Es gibt so viele Familien, die hungern“, schildert die Obfrau. Sie selbst kann derzeit nicht vor Ort aushelfen. Eine Reise nach Nepal Mitte März musste coronabedingt vorzeitig abgebrochen werden. Mit den Mitarbeitern vor Ort steht sie jedoch in regelmäßigem Austausch. „Eine Helferin, welche die Essenspakete an die Familien verteilt, hat mir gesagt, dass sie langsam nicht mehr weiß, wie sie emotional damit umgehen soll.“
Spenden
Wer die Hilfsorganisation unterstützen will, kann das mit einer Überweisung auf das Spendenkonto „Chay Ya Austria“ bei der Raiffeisenbank am Bodensee (IBAN: AT50 3743 1000 0032 2974, BIC: RVVGAT2B431, Betreff: Covid-Essenspakete), machen.