Ein Jahr nach “Ibiza”: Strache kann es nicht lassen

Politik / 16.05.2020 • 07:00 Uhr
Ein Jahr nach "Ibiza": Strache kann es nicht lassen
Strache präsentierte am Freitag seine neue Partei „Team HC Strache“. APA

Ex-FPÖ-Chef startet Comeback. Gudenus will dagegen „Business“ machen.

Wien Das Ibiza-Video ist zu viel gewesen: Keine 24 Stunden, nachdem es veröffentlicht worden war, verkündete Heinz-Christian Strache seinen Rücktritt als Vizekanzler und FPÖ-Chef. „Es war dumm, es war unverantwortlich, und es war ein Fehler“, erklärte er betroffen, aber auch relativierend: „Es war eine b‘soffene G‘schicht.”

Ganz trennen konnte sich der 50-Jährige nicht von der Politik. Im Gegenteil: Schon im Nationalratswahlkampf fuhr er seinen Nachfolgern in der Partei, Norbert Hofer und Herbert Kickl, in die Parade. Und zwar über eine Facebook-Seite mit über 800.000 Fans. Sein Pech: Die Partei hatte Zugriff darauf und entzog ihm schließlich die reichweitenstarke Plattform.

Ein Jahr später bemüht er sich um ein Comeback: Gestern präsentierte er die Partei „Team HC Strache“, mit der er bei der Wiener Gemeinderatswahl am 11. Oktober antreten möchte. Die Inhalte sind bekannt, es soll sich um eine selbst ernannte Bürgerbewegung handeln, die will, dass Österreich frei bleibt.
Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer vom OGM-Institut sieht Strache bei der Wahl als Zünglein an der Waage: Fünf Prozent wären für den Einzug in den Gemeinderat nötig. „Das kann er schaffen“, so Bachmayer.

Gudenus will von der Politik nichts mehr wissen und Berater werden.<span class="copyright">APA</span>
Gudenus will von der Politik nichts mehr wissen und Berater werden.APA

Für die alte Wiener FPÖ schaut es katastrophal aus: „Ibiza“ hat sie doppelt getroffen. Strache war nicht nur ihr Obmann, sondern auch ihr Stimmenbringer. 2015 holte sie 31 Prozent. Geschäftsführender Landesobmann unter Strache war dessen Ex-Freund Johann Gudenus. Er spielte im Video die zweite Hauptrolle und musste ebenfalls zurücktreten. Heute sind die beiden eher Feinde. Vor wenigen Tagen berichtete Gudenus, „ein Business aufbauen“ zu wollen. Von der Politik möchte er nichts mehr wissen. Wie auch immer: Ohne bekanntes Gesicht hält die Wiener FPÖ laut OGM nur noch acht Prozent.

Kaum besser steht die Bundes-FPÖ österreichweit da, die zwar von Hofer geführt wird, in der Kickl als Klubobmann jedoch die Akzente setzt: Sie liegt bei zehn Prozent, kann im Moment eher nur abwarten und das absehbare Wien-Debakel hinter sich bringen. „Die Talsohle ist sehr wahrscheinlich erreicht“, analysiert Bachmayer. Die Perspektiven seien nicht schlecht: In den vergangenen Monaten seien mit der Klimapolitik und vor allem der Pandemie Fragestellungen und Probleme im Vordergrund gestanden, die eher ÖVP und Grünen nützten. Mehr und mehr gehe es nun aber um die hohe Arbeitslosigkeit und soziale Konflikte. Und in Verbindung damit habe sie in der Vergangenheit immer wieder punkten können.