Schichtbetrieb an Schulen stellt Mehrkindfamilien auf die Probe

Standorte können Unterrichts- und Hausübungstage autonom entscheiden.
Wien In den Schulen herrscht ab Montag Schichtbetrieb. An einem Tag wird unterrichtet, am nächsten betreut. In Vorarlberg folgen 75 Prozent der Standorte diesem Modell. Gruppe A und B der geteilten Klassen wechseln sich also tageweise ab. Andere Schulen bieten Unterrichts- und Hausübungstage in geblockter Form an. Auch Kleinschulen, die ihre Klassen gar nicht teilen müssen, müssen sich für eine Variante entscheiden. Die Regel ist: Präsenzunterricht findet für alle Kinder nur Teilzeit statt. Den Standorten steht die Gestaltung aber frei. „Das liegt an der Schulautonomie. Der Minister wollte das so“, sagt Andreas Kappaurer, pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion Vorarlberg.
Zahlreiche Eltern sind aufgrund der Vorgehensweise verunsichert, berichtet Michael Tagger, Vorsitzender des Landeselternverbands im Pflichtschulbereich. Haben sie zwei oder mehrere Kinder an verschiedenen Schulen, könne es passieren, dass die Geschwister nicht in der gleichen Zeitschiene starten. Tun sie es doch, könne sich der Rhythmus zwischen Unterrichts- und Hausübungstagen aber auch aufgrund der Feiertage nochmals ändern. „Dann müssen die Eltern Kontakt mit der Schule aufnehmen und um einen Gruppenwechsel bitten, damit die Unterrichtstage der Geschwister wieder die gleichen sind.“ Im Normalfall werde auf solche Fälle reagiert und eine Lösung gefunden, berichtet Tagger. Er ortet aber auch gewissen Unmut. „Man muss selbst aktiv werden, damit die Gruppeneinteilung für die ganze Familie wieder passt.“
„Für alle eine Lösung“
Laut Bildungsministerium ist es die Aufgabe der Bildungsdirektion, sicherzustellen, dass die Gruppenbildung in unterschiedlichen Schulen auf Geschwisterkinder abgestimmt ist und für Eltern keine organisatorischen Schwierigkeiten entstehen. „Bis jetzt ist es uns geglückt, für jeden einzelnen Fall eine Lösung zu finden“, berichtet Kappaurer. Alle Anfragen würden bearbeitet. Sollte es bei einer Familie trotz aller Bemühungen nicht möglich sein, die Kinder in die gleiche Zeitschiene zu bringen, seien die Schulen offen. Die Kinderbetreuung könne von allen Eltern in Anspruch genommen werden.

Aktuell nutzen fünf Prozent der Pflichtschulkinder das Betreuungsangebot. „Die Zahlen werden mit der Wiederaufnahme des Schulbetriebs noch einmal steigen“, schätzt Kappaurer. Eine Verdoppelung auf zehn Prozent kann er sich gut vorstellen. Personell wäre das machbar, ist Kappaurer überzeugt. Bislang würden die Gruppen maximal fünf Kinder umfassen. Wenn man mit der Betreuung etwa in Turnsäle ausweiche, könnten es bei gleichem Personal bis zu 15 Kinder sein.
Auf Wunsch entschuldigt
Wer sein Kind gar nicht in die Schule schicken mag, gilt übrigens als entschuldigt. Es ist lediglich der Schulleitung oder dem Klassenvorstand mitzuteilen. „Das Kind kann den jeweiligen Lernstoff dann von zu Hause aus bearbeiten“, heißt es im Bildungsressort. Für die Leistungsbeurteilung entstehe dadurch kein Problem. „Sie steht nicht an erster Stelle“, hält der pädagogische Leiter der Bildungsdirektion fest. „Im Vordergrund steht das Soziale, ein guter Abschluss des Schuljahres und die Vorbereitung auf das nächste.“ Und vor allem die Aufarbeitung der vergangenen Wochen, die an den Kindern nicht spurlos vorbeigezogen sind.