Warum Vorarlberg dringend deutsche Urlauber braucht

Tourismus bangt: Deutschland verlängert weltweite Reisewarnung.
Berlin, Bregenz Die österreichischen Tourismusbetriebe befürchten ein Desaster. Zwar dürfen die Hotels ab 29. Mai wieder ihre Türen für Gäste öffnen. Doch die im Zuge der Coronapandemie verhängten Grenzkontrollen und Reisewarnungen bereiten den Branchenvertretern schlaflose Nächte. Vor allem Deutschland ist für die heimischen Betriebe wichtig. So schnell werden Deutsche aber nicht mehr Urlaub in Österreich machen. Die deutsche Bundesregierung hat ihre weltweite Reisewarnung bis 14. Juni verlängert. In diesem Zeitraum können Urlauber ihre gebuchten Reisen unter Berufung auf das Auswärtige Amt stornieren. Auch die Grenzkontrollen dürften bis 15. Mai verlängert werden.
Die gültige Reisewarnung gelte bis auf weiteres, mindestens aber bis 14. Juni, berichtete das Magazin „Der Spiegel“. Vor diesem Datum solle die Lage noch einmal neu bewertet werden. „Für die Vorarlberger Hoteliers mit einem großen Anteil deutscher Gäste ist das eine Katastrophe“, sagt Elmar Herburger, Tourismus-Spartenobmann in der Vorarlberger Wirtschaftskammer. 54 Prozent aller Urlauber kommen aus Deutschland. Der Schweizer Anteil macht zwölf Prozent aus, jener der heimischen Gäste 18,3 Prozent. Vorsichtig optimistisch äußert sich der Spartenobmann für die Hauptreisezeit im Sommer ab der zweiten Junihälfte und den Herbst. „Auch wenn wir uns damit abfinden müssen, dass weniger Urlaubsgäste kommen, sei es nach Österreich oder in andere Länder
Reiselust vergangen
Die Reiselust ist den Deutschen bereits vergangen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sind 48 Prozent der Befragten dafür, die Ausreisesperre für Touristen auch im Sommer aufrecht zu erhalten. 20 Prozent sprechen sich immerhin für eine Grenzöffnung zu einzelnen Ländern aus. 13 Prozent plädieren dafür, den vollständigen Reiseverkehr in der EU im Sommer zu erlauben.
Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hatte eine Einigung mit Deutschland für die Sommersaison ins Spiel gebracht. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nannte Deutschland und Tschechien als Beispiele für eine mögliche Vereinbarung. In Länder, die sicher seien, sollte man frei reisen können, bekräftigte Kurz am Mittwoch. Die Ansteckungszahlen in Österreich seien inzwischen niedriger als in Teilen Deutschlands. Deshalb gebe es mit der deutschen Regierung Gespräche über eine Grenzöffnung oder Lockerungen im Grenzregime. Nicht nur der Tourismus stehe im Fokus, sondern auch Verwandtenbesuche und Dienstreisen. „Wir gehen davon aus, dass es gelingen kann, dass in den nächsten Wochen entsprechende Schritte stattfinden.“
Strenge Kontrollen
Wer keine deutsche Staatsbürgerschaft hat oder dauerhaft in Deutschland ansässig ist, darf seit Mitte März nur noch aus einem triftigen Reisegrund einreisen. Ausgenommen sind etwa Berufspendler und der Warenverkehr. Für eine Einreise nach Österreich benötigen Nicht-Österreicher und Personen ohne Wohnsitz beziehungsweise gewöhnlichem Aufenthalt ein Gesundheitszeugnis inklusive negativem Covid19-Test, der nicht älter als vier Tage alt ist. Ausgenommen sind beispielsweise Berufspendler. Zudem hat es Lockerungen für Lebenspartner oder die Pflege von Angehörigen gegeben. Die Bestimmungen sind bis heute, Donnerstag, gültig. Wie es weitergeht, war am Mittwoch noch nicht zu erfahren. Mit einer Verlängerung der Grenz- und Gesundheitskontrollen sei aber sicher, teilte das Gesundheitsministerium mit.