Keine Aussicht auf Normalbetrieb der Schulen

Politik / 22.04.2020 • 07:00 Uhr
Keine Aussicht auf Normalbetrieb der Schulen
Der Regelbetrieb kehrt noch länger nicht an die Schulen zurück. MEDIENZOO

Regelbetrieb Mitte Mai wäre fahrlässig, sagt der Kanzler. Lehrergewerkschafter fordert Fahrplan.

Wien „Es gibt einen klaren Plan für die Schulen“, sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz. Ab 4. Mai werden die Maturavorbereitungen beginnen. Ab 15. Mai soll der Betrieb in anderen Schulstufen schrittweise hochgefahren werden. Von Normalbetrieb könne ab kommendem Monat aber keine Rede sein. „Das wäre fahrlässig“, sagt Kurz.

Viel mehr ist nicht bekannt. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) will am Freitag Informationen liefern. Die Lehrergewerkschaft wird langsam ungeduldig. „Nach meinem demokratischen Verständnis ist es ein Recht der Lehrer, Schüler und Eltern, frühzeitig zu erfahren, was auf sie zukommt“, sagt Pflichtschullehrergewerkschafter Gerhard Unterkofler. „Es gibt momentan keinen Fahrplan, wie es im Mai weitergeht.“ Die Schulen könnten sich gar nicht richtig vorbereiten.

Ausgeschlossen ist, dass am 15. Mai alle Schulen auf einmal zum regulären Betrieb zurückkehren dürfen. Dass Klassen auf Vormittags- und Nachmittagsunterricht zweigeteilt werden, ist ebenso unrealistisch. Dies könnte zwar das Platzproblem lösen, allerdings müssten die Lehrer doppelt unterrichten. Selbst wenn sie das täten, würde das nicht reichen: Einerseits fallen Lehrer aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Risikogruppen aus, andererseits müssen Schüler, deren Eltern arbeiten, weiter betreut werden. Am wahrscheinlichsten ist also, dass zu Beginn nur Abschlussklassen, wie etwa vierte Volks- und vierte Mittelschulklassen, starten können. Kleingruppen werden aufgrund der Abstandsregeln wohl zur Vorschrift. 

Gewerkschafter Unterkofler kennt diese Szenarien. Welches eintreten wird, weiß er nicht. Er kritisiert außerdem, dass er “das von der Regierung versprochene Hygienehandbuch bis jetzt immer noch nicht gesehen” habe. “Das Land muss für Schüler und Lehrer genügend Masken, Desinfektionsmittel und Handschuhe zur Verfügung stellen.”

Ungeklärt ist außerdem, welche Pflichtschullehrer daheim bleiben müssen. Die Gewerkschaft der Bundesschullehrer informierte die Lehrer in einem Schreiben, dass alle über 60 selbst entscheiden können, ob sie in die Schule kommen. Sie hätten einen Rechtsanspruch auf Homeschooling. “Personen mit Vorerkrankungen haben weiterhin von zu Hause aus zu arbeiten.” 

“Ich kenne diesen Brief”, sagt der Pflichtschulgewerkschafter. Vom Ministerium habe er diesbezüglich aber noch keine Information erhalten. Auch rechtlich gebe es nichts, was einen gesetzlichen Anspruch auf Homeschooling für Lehrer ab 60 begründen würde. Es wisse niemand, wie die Frage an den Pflichtschulen geregelt werde. Unwesentlich wäre diese Information nicht, sagt Unterkofler. Schließlich seien über 400 Vorarlberger Pflichtschullehrer, also neun Prozent, 60 Jahre oder älter.