Grünes Licht für S-Bahn-Projekt FL.A.CH

Gespräche sind abgeschlossen. Gemeinsame Absichtserklärung steht.
Wien Trotz Coronakrise kommt wieder Bewegung in den Grenzverkehr. Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Liechtensteins zuständiger Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch haben sich am frühen Dienstagnachmittag auf eine abschließende Absichtserklärung zur Realisierung des S-Bahn-Projekts FL.A.CH verständigt. Aufgrund der aktuellen Situation haben sie die gegenseitige Unterzeichnung telefonisch beschlossen.
Die Absichtserklärung sieht unter anderem eine “verursachergerechte und faire Kostenaufteilung” für beide Projektpartner vor. Laut Verkehrsressort könnten in beiden Ländern nun weitere Schritte in die Wege geleitet werden. In Liechtenstein hat etwa der Landtag einen Finanzbeschluss zu fassen, über den die Bevölkerung noch abstimmen muss.
Zehn Jahre Verspätung
Am Ende soll es dann eine zweigleisige Bahnstrecke, neue Bahnhöfe und einen dichteren Takt zwischen Österreich, Liechtenstein und der Schweiz geben. „Damit wird das Nahverkehrsangebot zwischen Feldkirch und dem schweizerischen Buchs entlang der bestehenden Streckenführung und über liechtensteinisches Staatsgebiet verbessert“, hält Gewessler fest. In Ergänzung zum Nahverkehrsangebot soll auch ein Fernverkehrshalt in Liechtenstein (Nendeln) realisiert werden.
Einst hätte FL.A.CH 2015 fertig werden sollen. Ein Finanzierungsstreit zwischen Liechtenstein und Österreich verzögerte aber den Bau. Jahrelang ging nichts vorwärts. Seit Sommer 2019 wird wieder verhandelt. Nun gibt es einen Abschluss. Sollte alles nach Plan laufen, könnte FL.A.CH 2026 in Betrieb gehen, schrieben die Landesräte Marco Tittler (ÖVP) und Johannes Rauch (Grüne) im Februar in einer Anfragebeantwortung.
Grenzüberschreitende Mobilitätswende
Verkehrs- und Klimaschutzministerin Gewessler sieht in FL.A.CH einen wichtigen Beitrag für eine Mobilitätswende in der Region. Das Projekt trage dazu bei, die Klimaziele zu erreichen.
Laut einer ÖBB-Verkehrszählung vom Oktober 2018 steigen an Werktagen 350 bis 400 Zugfahrer aus Vorarlberg in Liechtenstein aus. Nach einer Untersuchung im Rahmen des Projekts Pemo pendeln Vorarlberger in große Liechtensteiner Betriebe zu 63 Prozent alleine mit dem Auto, 13 Prozent per Fahrgemeinschaft. 19 Prozent fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und vier Prozent nutzen das Fahrrad.
Liechtensteins stellvertretender Regierungschef Risch ist überzeugt, dass Liechtenstein auch in Zukunft ein attraktiver Lebens- und Wirtschaftsstandort sein wird, „wenn wir die wachsende Nachfrage nach Mobilität möglichst umweltfreundlich und nachhaltig erfüllen.” Die Realisierung von FL.A.CH sei in diesem Zusammenhang wichtig. Ein nächster Schritt ist nun getan.