Hüttensommer 2020: Matratzenlager mit Schutzwänden?

Worauf sich Hüttenwirte und ihre Gäste im Sommer vorbereiten müssen.
Wien Für viele gibt es keinen schöneren Moment, als das kühle Getränk nach einer ordentlichen Wanderung, während man auf der Terrasse einer zünftigen Berghütte in die Abendsonne blinzelt. Ein ordentlicher Jass, ein Abendessen und ab ins Matratzenlager. Am nächsten Tag warten schließlich weitere Gipfel, die bestiegen werden wollen.
Bergfreunde können sich freuen: Dieser Sommer wird nicht völlig anders. Nur weniger spontan und mit mehr Abstand zu den anderen.
Andreas Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Alpenvereins (AV) Vorarlberg, ist guter Dinge, dass die meisten AV-Hütten öffnen können. „Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir in den Gasträumen aber nicht mehr so viel Gäste haben können.“ Für Matratzenlager würden Lösungen gesucht. Vorstellbar seien Trennwände aus Plexiglas. „Es wird wohl nicht die Saison mit dem großen Geschäft. Aber die Hütten werden die Möglichkeit haben, ein bisschen Geld zu verdienen und ohne Arbeitslosigkeit über den Sommer zu kommen.“
Bei Schönwetter keine Probleme
Bei Schönwetter sei der Tagesbetrieb kein großes Problem. „Da halten sich die meisten ohnehin im Freien auf“, sagt Schmidt. Die Tische müssten weiter auseinander aufgestellt werden. Je nach Hüttenlage sei es auch möglich, den Gastrobetrieb auf die Zufahrtsstraße auszuweiten. „Bei Schlechtwetter wird es schwieriger“, sagt der AV-Vorsitzende. „Aber auch hier werden wir Lösungen finden.“ Bei kleinen Gaststuben wird über Trennwände zwischen den Tischen nachgedacht. Die Gäste könnten auch in Etappen essen. „Es kann sein, dass es beim Frühstück einen Schichtbetrieb braucht. Dass auf der Wiesbadener Hütte jene zuerst frühstücken dürfen, die auf den Piz Buin wollen.“
„Kein Mundschutz für Gäste“
Die Betreiber hoffen, ihre Hütten Mitte Mai öffnen zu können. Bei den Naturfreunden plant man mit 16. Mai. An diesem Tag soll auch das Dünser Älpele öffnen, das von Elisabeth und Florian Burtscher betrieben wird. „Die große Frage ist, wie viel dann überhaupt los sein wird“, sagt der Hüttenwirt. „Das Personal wird Mundschutz tragen müssen. Die Gäste nach unserer Information nicht.“ Möglicherweise stellen die Betreiber auf Selbstbedienung um. „Wir überlegen, ob wir ein Ausgabefenster mit verkleinerter Karte einrichten.“

Burtscher ortet noch viele große Fragezeichen für die Gastronomie. Das Gerach-Haus, das er mit seiner Frau auch betreibt, bleibe vorerst geschlossen. Bei den möglichen Auflagen sei das wirtschaftlicher. „Wer sagt, dass ich die Übernachtungsgäste fix bekomme?“, fragt sich Burtscher. Jetzt in einen Umbau des Matratzenlagers zu investieren und Plexiglasscheiben einzuziehen, sei zu riskant. Außerdem sei nicht klar, wie es funktionieren soll, nur die Hälfte der Gäste in den Frühstücksraum zu lassen. Der Hüttenwirt stellt sich auch die Frage, ob ein Frühstücksbuffet möglich ist. „Oder wäre das eine Menschenansammlung? Dann können wir das gleich bleiben lassen.“
Burtscher hofft, bald informiert zu werden. Die Hütte in Betrieb zu nehmen, brauche circa zwei Wochen. „Am besten wäre es, wenn wir nicht alles aus den Medien erfahren müssten“, sagt er. Die Bundesregierung hat für Ende April eine Pressekonferenz angekündigt, in der sie ihre Pläne und Vorgaben für den Sommertourismus vorstellen möchte.