Entspannung im Vier-Länder-Eck

Auch in der Umgebung von Vorarlberg gibt es weniger Neuinfektionen.
Wien Zuletzt ist es auch in Deutschland gelungen, die Ausbreitung des Coronavirus stark einzubremsen. Zuvor ist das schon in der Schweiz geglückt, und auch in Liechtenstein hat sich die Kurve abgeflacht. Sprich: Vorarlberg ist nicht allein mit dieser Entwicklung. Eine Rückkehr zu geöffneten Grenzen mache jedoch begleitende Maßnahmen notwendig, wie der Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) erklärt.
Zwei, drei Neuinfektionen täglich
Die Covid-19-Daten, die das Bayerische Landesamt für Gesundheit führt, sind erfreulich. Ganz besonders auch von Vorarlberg aus betrachtet: Für die angrenzenden Landkreise werden seit Mitte vergangener Woche nur noch zwei, drei Neuinfektionen pro Tag berichtet; wenn überhaupt. Unmittelbar davor waren es wesentlich mehr. Jetzt hält Lindau bei 279 bestätigten Fällen auf 100.000 Einwohner und Oberallgäu bei 99. Zum Vergleich: Vorarlberg rangiert laut Gesundheitsministerium bei 210. In Deutschland hat die Abflachung etwas länger auf sich warten lassen. Dort hat man zunächst mit einschneidenden Begrenzungen gezögert. Die Schweiz, die besonders über Italien beziehungsweise das Tessin früher und stärker vom Virus betroffen war, war früher dran, wie Czypionka bestätigt. Das hat zwar nicht verhindert, dass die Schweiz mit 301 Infektionsfällen pro 100.000 Einwohner so ziemlich die meisten in Europa verzeichnet; es hat aber immerhin dazu geführt, dass eine gewisse Entspannung eingekehrt ist. Die täglichen Zuwachsraten sind in einen niedrigen, einstelligen Prozentbereich abgesunken.

Im Kanton St. Gallen gab es laut Situationsbericht des eidgenössischen Bundesamts für Gesundheit bis gestern 654 bestätigte Infektionsfälle. Gemessen an der Bevölkerung entspricht das einer Rate von 129. Mitte vergangener Woche waren es 117. In Graubünden wurden bisher 722 Fälle registriert, was auf eine Rate von 364 pro 100.000 Einwohner hinausläuft. Vor gut einer Woche hatte es sich um 337 gehandelt. In Liechtenstein sind es aktuell 211.
Die Vorsicht ist jedoch überall groß. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mahnte gestern etwa einen sicheren und besonnenen Weg aus der Coronakrise ein: „Unsere Maßnahmen wirken, wir dürfen aber keinen Rückschlag riskieren.“
Auf das Monitoring kommt es an
Früher oder später werde es jedoch zu einer Öffnung des eingeschränkten Grenzverkehrs kommen müssen, so Gesundheitsökonom Czypionka: „Sonst wird der wirtschaftliche Schaden zu groß.“ Ein Impfstoff gegen Covid-19 würde zu lange auf sich warten lassen. Was also tun? „Auf das Monitoring wird es ankommen. Wir müssen Neuinfektionen möglichst früh erkennen, um das Geschehen allenfalls auch lokal eingrenzen zu können.“