Coronavirus als Machtinstrument im Iran

Zusatzanwendungen auf Handys sollen auch dem Ausspionieren dienen.
Wien Nachdem der erste iranische Corona-Fall schon am 19. Februar auftrat, gehört die Islamische Republik heute mit über 70.000 bestätigten Erkrankungen und rund 5000 Todesfällen zur Spitzengruppe der von der Pandemie betroffenen Länder. Der Mangel an Spitälern, die einer solchen Seuche gewachsen sind, verschärft den Ernst der Lage. In Teheran wurden einfach Betten in alle größeren Säle und Hallen gestellt, Beatmungsgeräte und Masken fehlen.
Dennoch gestatten die Behörden von Teheran mit Ende der Ferien zum persischen Neujahr Nauroz am 13. April eine Wiederaufnahme der Produktions- und Handelsaktivitäten. Das bedeutet bei der dominierenden handwerklichen Fertigung und den vorwiegenden Basargeschäften gefährliche Ansteckungsnähe. Die wollen die regierenden Ayatollahs jedoch in Kauf nehmen. Nicht aus Gottvertrauen, sondern wirtschaftlich-finanziellen Zwängen.
Denn Teheran trifft die Blockierung seiner Auslandskonten – das ist eine der Boykottmaßnahmen der USA – besonders empfindlich. Zwar konnte es am Ostersonntag mit Herausgabe von 1,6 Milliarden Dollar durch Luxemburg auftrumpfen, doch sind das nur Tropfen auf den heißen Stein der iranischen Liquiditätsnöte. Präsident Hassan Rohani wartet auf 5 Milliarden vom Internationalen Währungsfonds. Am 4. April hat sich aus Ghom, der heiligen Stadt, Ayatollah Alireza Arafi mit einem Brief an Papst Franziskus gewandt und ihn um seine Fürsprache zur Aufhebung der anti-iranischen Sanktionen gebeten. Es fehle an Geld für allem, auch für den Kampf gegen das Coronavirus. Das klingt zwar glaubwürdig, doch sind sehr wohl Mittel zum Hochfahren des Atomprogramms der Islamischen Republik vorhanden. Auch weckt es in der christlichen Welt nicht gerade Sympathien, wenn von der Corona-Amnestie zum „Auslüften“ der überfüllten Gefängnisse jene Muslime ausgenommen bleiben, die dort einsitzen, weil sie sich taufen ließen.
Inzwischen nutzt das Ayatollah-Regime die Corona-Panik für seine Propaganda und Machtverstärkung. Generalleutnant Hussein Salami, der Kommandeur der Revolutionsgarden, hatte bereits Anfang März den “teuflischen” USA biologische Kriegsführung mit Hilfe des Virus unterstellt. Jetzt griff der “Oberste Geistliche Führer” Ayatollah Ali Chamenei (80) diese Beschuldigung auf und erklärte Corona den “Heiligen Krieg”. Das entspricht ganz der in Irans religiös-politischer Führung weit verbreiteten “Hodschatieh”-Ideologie: Danach ist der volle Durchbruch islamischer Weltherrschaft in einer Zeit des Chaos und der Wirren durch Katastrophen zu erwarten.
Den der Corona-Pandemie erklärten “Heiligen Krieg” beginnen die Machthaber in Teheran umgehend für eine Totalüberwachung der rund 82 Millionen Einwohner des Landes zu instrumentalisieren. Laut neuester Anweisung sind auf Handys Anwendungen anzubringen. Diese sollen den Gesundheitszustand melden, verzeichnen aber ebenso alle Gespräche, Notizen und den elektronischen Gesprächspartnern anvertraute Gedanken.