Schlanke Reifeprüfung in Corona-Zeiten

Maturanten treten in drei Fächern schriftlich an. Mündliche Prüfung entfällt.
Wien, Bregenz Dass eine Matura zu Zeiten des Coronavirus keine gewöhnliche sein kann – das war klar. Auf was sich die rund 40.000 österreichischen Maturanten genau einstellen müssen, aber nicht. Seit Mittwoch herrscht Gewissheit über die Pläne der Bundesregierung. Ab 25. Mai soll es zu einer “verschlankten” Zentralmatura kommen, kündigte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) an. Die schriftliche Prüfung findet nur in drei Fächern statt, nämlich in Mathematik, Deutsch und einer Fremdsprache. In berufsbildenden höheren Schule (BHS) kann auch ein Fachbereich gewählt werden. Die schriftliche Ergebnisse führen noch nicht zur endgültigen Note. Es fließt nämlich auch noch das Abschlusszeugnis der letzten Klasse ein. In welchem Verhältnis, ist noch nicht geklärt. Die mündliche Matura entfällt jedenfalls. Für die jeweiligen Fächer wird die Note der letzten Klasse herangezogen. Wer sich verbessern will, kann das freiwillig mit einer mündlichen Prüfung tun. Dasselbe gilt für die für die vorwissenschaftlichen Arbeiten an den allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) und den Diplomarbeiten an den BHS.
Fahrplan steht
“Es ist ganz wichtig, dass es Klarheit und einen Termin gibt”, sagt Andreas Kappaurer, pädagogischer Leiter der Vorarlberger Bildungsdirektion zu den VN. Was die rund 1800 Vorarlberger Prüflinge unter geänderten Rahmenbedingungen vorbringen müssten, sei gleich zu bewerten wie die Leistungen aus den vorigen Jahrgängen. “Das Maturazeugnis wird genau so ausschauen wie jedes andere auch.” Das unterstreicht auch Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP). Trotz aller notwendigen Einschränkungen werde den Schülern ein Leistungsnachweis abverlangt, der dem erforderlichen Niveau entspreche.
Das Maturazeugnis wird genau so ausschauen wie jedes andere auch.
Andreas Kappaurer, Bildungsdirektion Vorarlberg
Konkret sieht der Fahrplan für die Maturanten folgendermaßen aus: Ab 4. Mai bekommen die Maturanten eine gezielte Vorbereitung, erläutert Bildungsminister Faßmann. Sie findet in Turnsälen, Festsälen oder größeren Klassen statt. In den drei Wochen sollen die wichtigsten Schularbeiten und Tests abgehalten werden, um die letzte Klasse abzuschließen. Die schriftliche Matura startet am 25. Mai mit den nicht-standardisierten Prüfungsgebieten. Das betrifft insbesondere die Fachklausuren an den BHS. Am 26. Mai findet Deutsch, am 27. Mai Englisch und am 28. Mai Mathematik statt. Für Französisch, Latein oder Griechisch ist der 29. Mai vorgesehen, für Spanisch, Italienisch oder Volksgruppensprachen der 3. Juni. Wer in einem Fach schriftlich durchfällt, kann sich mit einer Kompensationsprüfung (22. bis 24. Juni) ausbessern.
Klarheit gibt es auch für die berufsbildenden mittleren Schulen (BMS): Dort finden die Abschlussprüfungen im Juni statt. Lehrlinge, die die letzte Klasse der Berufsschule positiv abgeschlossen haben, müssen nicht zum theoretischen Teil der Lehrabschlussprüfung antreten. Die Note wird automatisch angerechnet. Wer negativ abschließt, kann die Fachtheorie im Rahmen der Lehrabschlussprüfung absolvieren. Auch die Lehrlinge im letzten Jahr dürfen ab 4. Mai unter Hygiene-Auflagen an die Schulen zurück. Die anderen Schüler und Kindergartenkinder müssen sich gedulden. Erst nach Ostern will die Regierung festlegen, wie die Schulen schrittweise zum regulären Betrieb zurückfinden könnten.
Maturant Stefan Salzmann: “Die Erleichterung ist natürlich groß”
Feldkirch Die rund 1800 Maturantinnen und Maturanten in Vorarlberg mussten sich lange in Geduld üben. Die Erleichterung dürfte nach der am Mittwoch präsentierten Lösung bei den meisten groß sein – so auch bei Stefan Salzmann: “Aus meiner Sicht hat man mit dieser Lösung einen den Umständen entsprechenden und fairen Mittelweg gefunden”, sagt der 18-Jährige, der die Matura am Feldkircher Gymnasium Rebberggasse ablegen wird. “Wir haben nun endlich einen konkreten Termin vor Augen und wissen, worauf wir uns vorbereiten müssen.” Von einer “geschenkten” mündlichen Matura will der Schüler allerdings keinesfalls sprechen. “Wir haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Leistungen erbracht, die ohnehin viel aussagekräftiger sind als eine Momentaufnahme.”
