Anschobers Osterziel erreicht

Politik / 03.04.2020 • 07:30 Uhr
Anschobers Osterziel erreicht
Die Zuwachsrate verfestigt sich im „mittleren, einstelligen Bereich“, den Gesundheitsminister Rudolf Anschober vor Ostern erreichen wollte. APA

Zuwachsraten im mittleren, einstelligen Prozentbereich. Wie geht es weiter?

WIEN Die Richtung stimmt: Die Zahl bestätigter Covid-19-Fälle ist gestern zwar weiter gestiegen. Die Zuwachsrate wird aber immer kleiner. Ja, sie verfestigt sich im „mittleren, einstelligen Bereich“, den Gesundheitsminister Rudolf Anschober vor Ostern erreichen wollte. Mitte März hatte sie in Vorarlberg noch über 30 Prozent betragen. In den vier Tagen bis gestern belief sie sich im Mittel nur noch auf 4,1 Prozent. Mittelwerte haben in diesem Zusammenhang den Vorteil, dass Ausreißer, die es immer wieder gibt, durch sie geglättet werden. Österreichweit ist der Zuwachs noch etwas stärker. Aktuell beläuft er sich auf sechseinhalb Prozent.

Zweite Infektionswelle verhindern

Für Thomas Czypionka, Gesundheitsexperte am Institut für Höhere Studien (IHS), ist die Entwicklung wenig überraschend: „Mitte März wurden die Ausgangsbeschränkungen in Kraft gesetzt. Sie machen sich jetzt bemerkbar.“ Einerseits ist das erfreulich. Andererseits zeigt es, wo die nächste Herausforderung liegt: Wie können die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden, ohne dass es zu einer zweiten Infektionswelle kommt? „Das Virus ist nicht besiegt“, warnt Czypionka.

Zunächst wäre es wichtig festzustellen, wie viele Menschen wirklich erkrankt sind. Die Dunkelziffer soll hoch sein. Genaueres weiß man jedoch nicht. Eine Antwort soll die Testung einer repräsentativen Gruppe bringen.

Im Übrigen sind laut Czypionka alle gefordert, darüber nachzudenken, wie Unternehmen, Schulen, Vereine und andere Bereiche wieder so weit in Gang gesetzt werden können, dass die Infektionsgefahr auf ein Minimum reduziert wird. Das könne keine Regierung zentral bestimmen, das müsse ein „Bottom-up“-Prozess sein.

Japan als Vorbild

Schließlich regt Czypionka an, sich Japan zum Vorbild zu nehmen: Dort werde das Infektionsgeschehen quasi radarmäßig beobachtet. Sobald ein Fall auftauche, werde sofort reagiert und die Umgebung großzügig durchgetestet. Falls nötig, könnten Ausgangsbeschränkungen und andere Maßnahmen dann eher nur lokal begrenzt werden.