Der Ischgl-Faktor in allen Bundesländern

Politik / 02.04.2020 • 19:03 Uhr
Covid-19 wird laut AGES übertragen, wo Menschen in einer Distanz von weniger als einem Meter zumindest 15 Minuten Kontakt haben, zum Beispiel beim Après-Ski. 
Covid-19 wird laut AGES übertragen, wo Menschen in einer Distanz von weniger als einem Meter zumindest 15 Minuten Kontakt haben, zum Beispiel beim Après-Ski. 

Wie sich Covid-19 vom Après-Ski auf ganz Österreich ausbreitete.

Wien Wird von Gästen berichtet, die Tischtennisbälle in Biergläser spucken (Beer Pong), ist höchstwahrscheinlich vom Tiroler Skiort Ischgl die Rede. Internationale Medien haben Ischgl samt der Aprés-Ski-Bar “Kitzloch” und ihre Kellner, die sich mit Trillerpfeifen durch die Massen bahnten, längst im Fokus. Von Ischgl habe sich das Coronavirus in die ganze Welt verbreitet, lautet der Vorwurf.

Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zeigt in einer Studie, dass Covid-19 nicht nur von Tirol aus grassierte, aber dennoch ein beträchtlicher Teil der Infizierten auf Ischgl zurückgeführt werden kann.

Die Experten untersuchten mehrere Cluster, unter anderem den “Cluster S”, der neben Ischgl auch St. Anton, Serfaus, Galtür und St. Christoph umfasst und darlegt, wer sich dort während seiner Inkubationszeit aufgehalten hat. 573 Infektionen lassen sich direkt auf den “Cluster S” zurückführen. Die erkrankten Personen haben insgesamt 38 weitere in ihrem Umfeld angesteckt, berichtet Infektiologe Franz Allerberger. Der Ischgl-Faktor ist in jedem Bundesland präsent: mit 199 Infizierten in Tirol, gefolgt von Oberösterreich (127) und Vorarlberg (103).

Im “Kitzloch” selbst waren bis 12. März zwölf Mitarbeiter – von Barkeeper über DJ bis Geschäftsführer – an dem Virus erkrankt, berichtet die AGES. „Wir können Rückschlüsse ziehen, wer sich wo angesteckt hat und dass Infektionen dort passieren, wo Menschen auf engem Raum zusammenstehen”, hält Allerberger fest. Das sei nicht nur Ischgl bestätigt worden, sondern in 39 weiteren Clustern. „Das Virus fliegt weder in einem Bundesgarten, noch auf einer Schipiste auf 2000, 3000 Metern Höhe.“

Der Experte berichtet außerdem, dass der Großteil der Infektionen unterm Strich österreichische Infektionen sind. Mit Stand 30. März schleppten 306 Personen Infektionen aus dem Ausland ein, die meisten aus Italien (133), Deutschland (29) und Spanien (20). Das sind 3,5 Prozent der bis dahin bekannten 8830 Infizierten. Allerberger resümiert: “Alles kann die Quelle sein. Aber die Botschaft ist: der Großteil steckt sich bei uns an.”