Maskenpflicht im Dorfladen?

Politik / 30.03.2020 • 20:00 Uhr
Maskenpflicht im Dorfladen?
Herbert Meyer mit seinen Mitarbeiterinnen Angela und Christiane in seinem Dorfladen in Brand.

Regierung kündigt schärfere Maßnahmen an. Nahversorger Herbert Meyer ist verunsichert. Er wusste bis Montag nichts von der Maskenpflicht.

Wien Supermärkte, Supermärkte, Supermärkte. Herbert Meyer kann es nicht mehr hören. „Was ist mit den Nahversorgern?“, fragt er sich. Meyer führt ein kleines Spar-Geschäft, den Dorfladen in Brand. Von der kommenden Maskenpflicht hat er bis zur Pressekonferenz von Sebastian Kurz (ÖVP) nichts gewusst.

„Wir werden jetzt auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes setzen“, sagte der Kanzler am Montag. Sie seien für unsere Kultur zwar etwas Fremdes, aber notwendig, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu reduzieren. Abstandhalten bleibe aber weiterhin das erste Gebot.

Nur wer einen Mund-Nasen-Schutz trägt, darf künftig in den Supermarkt. Die Handelsunternehmen stellen die Masken zur Verfügung. Wer sie nicht tragen möchte, dem wird der Zutritt verwehrt. Zahlen müssen die Kunden für die Maske nichts. „Der Schutz geht in das Eigentum des Kunden über und kann weiterverwendet werden“, heißt es in den Vorgaben der Regierung. Verpflichtend geregelt wird das erst, wenn die Lieferkapazitäten für alle Handelsunternehmen sichergestellt sind.

Nahversorger Herbert Meyer hofft, dass Dorfläden dabei nicht vergessen werden: „Wenn wir keine Masken kriegen, verlieren wir gegenüber den großen Supermärkten an Glaubwürdigkeit. Das wäre der falsche Weg.“ Schließlich tue er alles, um seine Kunden und Mitarbeiter zu schützen, von Plexiglasscheiben an der Kasse über eine Limitierung der Leute im Geschäft und Hauszustellungen bis zu Plakaten, dass Abstand gehalten werden muss.

Nun kommen weitere Vorschriften für die Geschäfte. Wie das Bundeskanzleramt mitteilt, müssen Kunden künftig Einkaufswagen benutzen „und das durchgehend, auch um den Abstand einzuhalten“. Bodenmarkierungen sollen ebenso dabei helfen. Das Personal ist verpflichtet, die Wagen nach jedem Gebrauch zu desinfizieren. Es muss außerdem Handschuhe tragen. Je kleiner das Geschäft, desto weniger Kunden sind gleichzeitig erlaubt.

Die Masken sind also nur ein Teil eines Pakets. In manchen Geschäften werden sie vermutlich schon am Mittwoch verteilt. Bei den anderen werde es ein, zwei Tage länger dauern, bis sie mit Mund-Nasen-Schützern versorgt sind. Wann es im Spar in Brand so weit sein wird, ist offen. Herbert Meyer wusste bis Montag nicht einmal etwas von der bevorstehenden Einführung der Maskenpflicht im Lebensmittelhandel.

Sie ist übrigens nur der Anfang, wie Kurz erklärt. „Mittelfristig ist es das Ziel, Masken nicht nur im Supermarkt, sondern überall dort zu tragen, wo ein Vorbeigehen, ein Kontakthaben mit Menschen stattfindet.“