Millionen für die Pflege

Politik / 25.03.2020 • 07:30 Uhr
Millionen für die Pflege
Service, Personal, Betten: Das Geld des Bundes wird in vielen Bereichen eingesetzt, erklärt Landesrätin Wiesflecker. VN

Der Bund zahlt Vorarlberg 4,5 Millionen Euro, um Pflege und Betreuung in Corona-Zeiten abzusichern.

Wien Die Coronakrise stellt den Pflegebereich vor einige Herausforderungen. Zu erwarten ist, dass Tausende Pflegekräfte aus dem Ausland wegfallen. Pflegende Angehörige könnten sich mit dem Virus anstecken, ebenso Personal in den Heimen. Nun sollen alle Kräfte gebündelt werden, von Freiwilligen über Pflegekräfte bis Zivildiener. Und es gibt Geld. Sozialminister Rudolf Anschober (ÖVP) kündigt an, den Ländern 100 Millionen Euro zu überweisen. 4,5 Millionen davon fließen nach Vorarlberg, bestätigt Landesrätin Katharina Wiesflecker.

„Bereiten uns vor“

Im Land nehmen 1700 Haushalte eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch. Über 1500 Betroffene haben mindestens Pflegestufe drei, besondere Erschwernisse oder Demenz. 90 Prozent der Betreuerinnen kommen aus Rumänien, der Slowakei oder Ungarn. Noch ist unklar, wie viele von ihnen aufgrund der Grenzschließungen ausfallen. „Wir wollen uns aber vorbereiten“, sagt Wiesflecker. Die 4,5 Millionen Euro würden in mehrere Bereiche investiert.

Servicestelle steht bereit

Fällt die 24-Stunden-Betreuerin aus und findet die Agentur keinen Ersatz, können sich Betroffene an das Case Management in den Gemeinden wenden. Das sind die Servicestellen für die Betreuung und Pflege vor Ort, erläutert Wiesflecker. Die Casemanagerinnen klären ab, welche Möglichkeiten für einen Betreuungs- oder Pflegeersatz bestehen. Ihre Kontaktdaten sind auf www.betreuungundpflege.at zu finden, auch die Gemeinden können die Casemanagerinnen vermitteln.

Ersatzstrukturen im Aufbau

Um Betreuung und Pflege für alle Betroffenen aufrecht zu erhalten, werden außerdem Ersatzstrukturen aufgebaut, hält Wiesflecker fest. Personen mit Pflegestufe drei und vier könnten neben Familienmitgliedern und Ehrenamtlichen je nach Bedarf auch durch den Krankenpflegeverein oder Mehrstundenbegleitungen mobiler Hilfsdienste versorgt werden. Ist all das zu wenig oder nicht vorhanden, stehen in den Bildungshäusern in Batschuns und St. Arbogast 107 Plätze zur Verfügung. Für Betroffene mit höheren Pflegestufen werden freie Betten in Heimen herangezogen, die bis dato aufgrund des Personalmangels unbelegt blieben. „In Lustenau und Lochau haben wir im Moment 34 Plätze.“ Auch in anderen Heimen würden Betten lukriert.

Eine Personalfrage

„Im Moment ist es schwierig zu sagen, ob das Geld des Bundes reicht oder ob wir zusätzlich investieren müssen“, sagt die Landesrätin. „Die 24-Stunden-Betreuung ist nur ein Teilbereich in der gesamten Pflege. Ähnlich herausfordernd ist es, die Zahl der Pflegekräfte stabil zu halten. Daher organisieren wir sie in kleineren Teams, dass es für Notfälle Ersatzteams gibt.“ Der Mindestpersonalschlüssel sei in den Heimen schon ausgesetzt worden, um den Betrieb aufrecht erhalten und die leeren Betten belegen zu können. Außerdem würde Pflegepersonal aus anderen Sozialbereichen mobilisiert.  „Wir erheben gerade, wie viel Personal es in allen Sozialeinrichtungen mit Pflegeausbildung gibt.“ Auch Zivildiener könnten die Teams unterstützen.