Italien am Limit

Vor allem der Norden leidet massiv unter Covid-19. Ein italienischstämmiger Vorarlberger berichtet.
Rom Das Coronavirus hat Europa fest im Griff. Besonders stark betroffen ist Italien. Kein Land leidet so massiv unter der Krise wie Österreichs südlicher Nachbar. Etwa 28.710 Personen haben sich dort angesteckt (Stand Donnerstagvormittag). Mehr als 2970 Menschen sind bereits gestorben. Besonders die nördlichen Regionen leiden stark unter dem Virus. In der Lombardei droht der komplette Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser gibt es keine freien Plätze mehr. Mehrere Patienten mussten bereits in Spitäler in den Nachbarregionen gebracht werden.
An der Kapazitätsgrenze
„Es gibt Zonen, etwa in Bergamo, wo die Situation wirklich mehr als kritisch ist“, sagt Giuseppe Vitale, der bei einer Vorarlberger Firma im Export tätig ist. Vitale stammt eigentlich aus der Hauptstadt Rom, lebt aber schon seit mehreren Jahren mit seiner Familie in Lustenau. Die Lage in Italien beobachtet er nun – derzeit gezwungenermaßen – aus der Ferne.
Das lombardische Gesundheitssystem gelte eigentlich als sehr gut, berichtet der 49-Jährige. Aber auch das beste System gerät irgendwann an seine Kapazitätsgrenzen. „Es ist am Limit.“ Er habe beispielsweise davon gehört, dass Feldspitale mit Zelten eingerichtet werden müssten. Teilweise sei nicht einmal mehr Platz für die Särge jener, die Covid-19 dahingerafft hat. Unter den Menschen steige die Wut gegenüber den anderen EU-Staaten. „Man fühlt sich alleingelassen“, erzählt Vitale. Dazu hätten Meldungen beigetragen, dass Deutschland in der Vergangenheit den Transport von Atemschutzmasken blockiert habe. Es sei nun vor allem China, das dem Land mit der Lieferung von medizinischen Geräten zur Seite springe. Vitale ist sich sicher: “Alle haben die gleichen Fehler gemacht, nicht nur Italien.” Man hätte viel früher strikte Maßnahmen treffen müssen.
„Ich habe große Sorgen“, sagt der Lustenauer. Seine Mutter lebe komplett allein in ihrer Wohnung in Rom. Wegen der Ausgangssperren kann sie diese nicht verlassen. Seine Schwester wohnt mit ihren zwei Kindern in einem weit entfernten Stadtviertel. Eigentlich wollte er Ende März in die italienische Hauptstadt fliegen und alle besuchen. Daraus wird nun nichts. Vitale übt sich aber in Optimismus. Die moderne Technologie erlaube die Kommunikation mit den Verwandten auch über weite Entfernungen hinweg. „Und wer weiß, vielleicht kann ich Rom ja im Oktober besuchen.“