“Eine humanitäre Katastrophe in Griechenland und Nordsyrien”

Politik / 09.03.2020 • 21:45 Uhr
"Eine humanitäre Katastrophe in Griechenland und Nordsyrien"
Auf der griechischen Insel Lesbos befindet sich mit Moria das größte Flüchtlingslager Europas. Schätzungen zufolge leben dort derzeit 23.000 Flüchtlinge. REUTERS

Vorarlberger Caritas-Direktor Walter Schmolly fordert Hilfe vor Ort zur Überbrückung.

Wien Tränengas und Blendgranaten kommen an der türkisch-griechischen Grenze mittlerweile fast täglich zum Einsatz. Am Wochenende sind 2150 Menschen laut griechischen Sicherheitskräften daran gehindert worden, die Grenze in die EU zu überwinden. Tausende Migranten harren auf türkischer Seite aus, die Flüchtlingslager in Griechenland sind überfüllt. Der Konflikt in Nordsyrien drängte Hunderttausende in die Flucht. 

Lösungen gefordert

“Wir erleben eine humanitäre Katastrophe”, sagt der Vorarlberger Caritas-Direktor Walter Schmolly. “Es braucht dringend Hilfe vor Ort. Das überbrückt die Zeit, in der hoffentlich nachhaltigere politische Lösungen zustande kommen können.” Ziel solle sein, dass die Menschen möglichst sicher leben und sich auch entfalten können. “Wo das nicht möglich ist, müssen wir uns solidarisch zeigen”, hält Schmolly fest. Humanitäre Aufnahmeprogramme für Menschen in besonders leidvollen Situationen wären dabei eine Möglichkeit. Noch wichtiger sei derzeit aber die Unterstützung im Krisengebiet. 

Die Bundesregierung kündigte vergangene Woche an, drei Millionen Euro für humanitäre Hilfe in der syrischen Kriegsregion Idlib bereitzustellen, eine Million Euro soll es für Griechenland geben. “Es ist kein riesen Betrag, aber ein wichtiger symbolischer Beitrag”, sagt der Vorarlberger Caritas-Direktor. Er sieht nun die Politik am Zug, Vorschläge zu machen, die den humanitären Ansprüchen Europas und damit auch den Menschenrechten gerecht werden können.

“Menschen schützen”

Natürlich müsse man Grenzen schützen, aber vor allem auch Menschen. “Es wäre ein hoher Preis, den wir zahlen, wenn wir die Fähigkeit verlieren, mit dem Leid von Menschen mitzufühlen”, mahnt Schmolly. Dass es so weit kommt, glaubt er nicht. “Wir erleben, dass viele von der Situation sehr berührt sind. Das merken wir am Echo auf die Spendenaufrufe.” Es bestehe der große Wunsch zahlreicher Menschen, Hilfe zu leisten.