Algerien und die Sahel: Wichtige Heeresmission in Mali

Politik / 15.12.2019 • 17:55 Uhr
Algerien und die Sahel: Wichtige Heeresmission in Mali
Die Freitagsproteste in Algerien dürften weitergehen. AFP

Stabiles Algerien in einer unsicheren Umgebung.

Algier Afrikas größtes Land Algerien hat nach zehn Monaten Übergangskrise wieder einen demokratisch bestellten Präsidenten. Zumindest der Form nach: Abdelmadjid Tebboune wurde am 12. Dezember mit 58 Prozent der Stimmen bei einer Beteiligung von rund 40 Prozent gekürt. Eine breite Opposition aus Islamisten, Demokraten und Berbern hatte zum Boykott der Wahl aufgerufen. Denn Algeriens wahrer Machthaber, Armeechef General Gaid Salah, ließ dem Volk nur die Wahl zwischen fünf von ihm ausgesuchten Kandidaten aus dem inneren Kreis des Militärregimes, das schon seit Abzug der Franzosen 1962 an der Macht ist. In Algier, Oran und Constantine sowie der berberischen Kabylei werden die Freitagsproteste dieses Jahres für politische Freiheit sich so gewiss ins neue Jahr hineinziehen.

Vorläufig sichert die Nachfolge-Regelung von Langzeitpräsident Abdelaziz Bouteflika um den Preis einer im Vergleich mit anderen arabischen Diktaturen erträglichen Unterdrückung Algeriens Stabilität. Die erhält zur Stunde besondere realpolitische Bedeutung vor dem Hintergrund ausufernder politislamischer Gewalt in der afrikanischen Nachbarschaft südlich der Sahara, in die Algerien selbst tief hineinreicht.

Das Blutbad der letzten Woche von Inates in Niger, wo eine ganze Kompanie Regierungstruppen von Terrormilizen des “Islamischen Staates” (IS) aufgerieben wurde, lässt den Ernst der Lage erkennen. Noch bis vor wenigen Jahre galt die Sahel im Süden der Sahara als Friedenszone. Ein von lokalheiligen Marabuts, Tidschania-Derwischen und afrikanischen Einflüssen geprägter “Afro-Islam” gewährleistete ruhiges Zusammenleben mit den Christen.

Große Fluchtbewegung

Radikale politislamische Strömungen und Waffenlieferungen aus Nahost haben Gewalt gesät. Sie wird organisiert vom Boko Haram, dessen Wurzeln in die Kolonialzeit zurückreichen, und dem Neuableger des sogenannten “Islamischen Staats in der westafrikanischen Wilaja”. Einer “Provinz” des in Nahost – noch nicht ganz – besiegten IS-Kalifats. Rund um den Tschadsee ist seine Saat jedoch nun weiter aufgegangen und hat schon über zwei Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Die eigenen staatlichen Ordnungskräfte versagen, ob in Mali, Burkina Faso oder Niger. Was die Ausbildungsmission des Bundesheers in Mali desto wichtiger macht, um die Fluchtwelle aus der Sahel an ihren Wurzeln – Gewalt und Unsicherheit – zu packen.