Hochrechner verrät Geheimnisse zum Wahlsonntag

Politik / 28.09.2019 • 13:30 Uhr
Hochrechner verrät Geheimnisse zum Wahlsonntag
Wahlforscher Hofinger verrät den VN die Geheimnisse hinter seinen Hochrechnungen. TT

Gleich nach Wahlschluss präsentiert Hochrechner Hofinger ein Ergebnis.

Wien Schon lange möchte Christoph Hofinger ein Buch schreiben. Heuer ist es wieder nicht möglich: Der 52-Jährige organisiert mit vier Kolleginnen und drei Kollegen vom Sozialforschungsinstitut SORA die ORF-Hochrechnungen nach Urnengängen. Im Jänner waren nur die EU-Wahl und die Vorarlberger Landtagswahl im Kalender gestanden. Letzten Endes kamen die Steiermark-Wahl und Nationalratswahl hinzu. Da bleibt keine Zeit, um darüber zu schreiben, wie man permanent aus Fehlern lernen kann.

Anleihen aus der Meteorologie

Darin ist Hofinger ein Meister: Seit 1994 hat er an der Seite von SORA-Co-Geschäftsführer Günther Ogris bei 20 Bundes- und 40 Landtagswahlen „hochgerechnet“. Ziel ist, beim ersten Anlauf kurz nach Wahlschluss Stimmenanteile zu liefern, die de facto schon dem Wahlergebnis entsprechen. In der Regel gelingt das auf ein paar Zehntelprozentpunkte genau.

Dahinter steht eine Kunst, die hart erarbeitet ist. Hofinger verrät den VN Geheimnisse: „Aus der Meteorologie haben wir gelernt, mit einer Variantenvielfalt vorzugehen.“ Soll heißen: Zur Sicherheit existieren mehrere Rechenmodelle. „Aus der Luftfahrt haben wir Checklisten übernommen.“ Gerade weil die Zeit knapp ist, muss gewährleistet bleiben, dass wirklich alles kontrolliert wird. Und schließlich gebe es da noch etwas, was man bewusst anders mache als die Mediziner im OP-Saal: „Wir arbeiten grundsätzlich hierarchiefrei.“ Jede Beobachtung ist gleich wichtig. Wie entscheidend das sein kann, habe sich bei der Bundespräsidentenwahl 2016 gezeigt. Damals schlichen sich falsche Zahlen aus Graz ein, die wiederum für Wien-Prognosen herangezogen wurden. Einem Teammitglied sei das aufgefallen – und so habe man den Fehler korrigieren können.

Hochrechnung in wenigen Minuten

Um 17 Uhr werden die SORA-Leute am Sonntag die Ergebnisse von über 1000 Gemeinden bekommen. Veränderungen gegenüber der letzten Wahl beziehungsweise sogenannte Wählerströme sollen nach wenigen Minuten zur ersten Hochrechnung führen. Oft weichen diese Hochrechnungen vom vorläufigen Ergebnis ab, das der Innenminister im Laufe des Abends präsentiert. Hofinger berücksichtigt mit seinen Leuten nämlich auch Wahlkarten. Sie werden in Wirklichkeit aber erst am Montag und am Donnerstag ausgezählt.

Doch da bereitet sich Hofinger schon auf die Landtagswahl in Vorarlberg vor. Ein Spaziergang? „Gar nicht“, betont er. „Wir wollen immer die beste Hochrechnung liefern und auf Basis von 40, 50 von 96 Gemeinden ist das eine eigene Herausforderung.“ JOH