Neue Karfreitagsregelung: Warum die evangelischen Kirchen Mahnläuten erklingen lassen

Vorarlbergs evangelische Pfarrgemeinden protestieren gegen Aus für freien Karfreitag.
Bregenz, Wien Früher war der Karfreitag für evangelische Christen, Methodisten und Altkatholiken ein arbeitsfreier Feiertag. Seit diesem Jahr ist das nicht mehr der Fall. Die Bundesregierung hat den Karfreitag für alle aus der Feiertagsregelung gestrichen. Heute kommt die Neuregelung zum ersten Mal zum Tragen. Einfach so akzeptieren wollen das die betroffenen Religionsgemeinschaften aber nicht. In ganz Österreich sind friedliche Aktionen geplant, um ein Zeichen des Protests zu setzen. Auch die evangelischen Pfarrgemeinden in Vorarlberg machen mit. So findet um 15 Uhr ein längeres Mahnläuten der Kirchenglocken statt. „Damit heben wir die Bedeutung des Karfreitags hervor“, erläutert Ralf Stoffers, evangelischer Pfarrer in Bregenz. Immerhin sei der Karfreitag nicht nur für die rund 6500 evangelischen Gläubigen in Vorarlberg wichtig, sondern für alle Angehörigen des christlichen Glaubens. Aus Protest ließ die Pfarrgemeinde am Donnerstag sogar eine Todesanzeige in den VN schalten. “Wir gedenken des Todes von Jesus von Nazareth”, heißt es darin.
Alte Regelung gekippt
Warum kam es überhaupt zur Änderung? Der Europäische Gerichtshof (EuGH) kippte die frühere österreichische Regelung im Jänner als gleichheitswidrig. Daraufhin musste eine neue Lösung her. Die Bundesregierung schaffte den freien Karfreitag ab und führte stattdessen einen persönlichen Feiertag ein: Alle Arbeitnehmer können sich einmal pro Jahr einen Urlaubstag freinehmen. Der muss aber aus dem eigenen Kontingent kommen. Von ihrem ursprünglichen Vorschlag, einem halben Feiertag, ging die schwarz-blaue Koalition wieder ab. Für 96 Prozent der Österreicher ändere sich nun gar nichts, argumentierten Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ). Es sei nicht fair, dass die eine Gruppe einen Feiertag habe und die andere nicht. Keiner der 13 Feiertage werde gestrichen.
“Ich glaube, dass viele Menschen verdeutlichen möchten: So geht das nicht.”
Ralf Stoffers, evangelischer Pfarrer in Bregenz
Österreichs evangelisch-lutherischer Bischof Michael Bünker sieht das nicht so. Mit dem persönlichen Feiertag werde die öffentliche Religionsausübung radikal individualisiert und privatisiert, kritisiert Bünker. Pfarrer Stoffers hofft, dass heute nicht weniger Gläubige in die Bregenzer Kreuzkirche kommen als sonst. Eigentlich kann er sich das aber nicht vorstellen. „Wir wollen nicht in Schockstarre verfallen. Ich glaube sogar, dass viele Menschen verdeutlichen möchten: So geht das nicht.“ Stoffers ärgert sich in diesem Zusammenhang über den Umgang der Regierung mit Minderheiten. Diese würden gegeneinander ausgespielt, kritisiert der Geistliche.
In Wien kommen Vertreter der betroffenen Religionsgemeinschaften am Mittag vor der Reformierten Stadtkirche in der Dorotheergasse zusammen, um ihren Protest kundzutun. Auch in den anderen Bundesländern sind Aktionen geplant. In mehr als 20 Kirchen sollen die Glocken mehr als 30 Minuten lang läuten. Die Bregenzer Pfarrgemeinde plant übrigens 19 Minuten: Da der Nationalrat die neue Regelung im Jahr 2019 beschlossen hat.
SPÖ ebenfalls kritisch
Nicht nur die betroffenen Religionsgemeinschaften sind unzufrieden. Auch die SPÖ trommelt gegen die neue Regelung. Am Donnerstag forderten Parteichefin Pamela Rendi-Wagner, Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda und Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Brunner bei einer Protestaktion in Wien einen freien Karfreitag für alle Arbeitnehmer. “Wir hätten den Menschen den Feiertag gegeben, nämlich allen”, sagte Rendi-Wagner. Eine entsprechende Petition wurde bislang von knapp 19.000 Personen unterstützt.