Warum bei den Jungen Nichtrauchen normal wird

Der Anteil der Jugendlichen, die zur Zigarette greifen, sinkt stark.
SCHWARZACH Seitdem an Schulen nicht einmal mehr auf den dazugehörigen Freiflächen geraucht werden darf und der Verkauf von Tabakerzeugnissen an unter 18-Jährige verboten ist, wird weniger geraucht, stellt Nina Mathies fest: „Bei uns an der Oberstufe sind es vielleicht noch zehn, die das tun“, so die Landesschulsprecherin, die das BG Dornbirn besucht.
Sehr viel spricht also dafür, dass sich ein Trend fortsetzt: Obwohl die Regierungsparteien ÖVP und FPÖ zuletzt ein generelles Rauchverbot in Lokalen verhindert haben, greifen immer weniger Jugendliche zur Zigarette. Zumindest für Burschen und junge Männer gibt es dazu eine Untersuchung, die jeweils einen ganzen Jahrgang umfasst; im Rahmen der Stellungspflicht beim Bundesheer nämlich.
Zur Jahrtausendwende hat noch mehr als die Hälfte der 17- oder 18-Jährigen geraucht. Zuletzt handelte es sich bundesweit nur noch um 29,1 Prozent. In Vorarlberg sind es traditionell etwas mehr. Aber auch hier gibt es einen starken Rückgang. Lag die Quote 2015 noch bei 39,1 Prozent, so waren es 2017/2018 nur noch 32,3 Prozent.
Für Mädchen und junge Frauen hat es schon länger keine Erhebung mehr gegeben. Bei ihnen scheint die Entwicklung jedoch etwas zeitversetzt zu erfolgen: „Bei Raucherinnen hatten wir in den letzten Jahren enorme Steigerungsraten, jetzt pendelt es sich auf einem relativ hohen Niveau ein“, berichtet Andreas Prenn von der Suchtpräventionsstelle SUPRO, die zur Stiftung Maria Ebene gehört. Begründung: Bei Frauen hat der Raucheranteil in der Vergangenheit generell zugenommen. Wenn Ältere rauchen, tun das aufgrund der negativen Vorbildwirkung auch Jüngere. Außerdem habe die Nikotinlobby angefangen, die Zielgruppe Mädchen besonders intensiv zu umwerben, so Prenn.
“Bei uns an der Oberstufe sind es vielleicht noch zehn, die das tun.”
Nina Mathies, Landesschulsprecherin
Nicht überall scheint sie dabei jedoch erfolgreich zu sein. Schülerin Mathies erzählt, dass Rauchen nicht mehr dazugehöre. Man könne auch ohne cool sein: „Dieser Druckfaktor ist weg.“
Was die 18-Jährige stattdessen zu bedenken gibt, ist eine gewisse Verlagerung. Weg von Zigaretten hin zu Wasserpfeifen beispielsweise. Edith Pickl vom Grazer Institut für Gesundheitsförderung warnt wiederum, dass über Shishas viele letzten Endes zum Rauchen kämen. Das sei einer der Gründe dafür, dass ein generelles Rauchverbot so wichtig gewesen wäre: „Das hätte auch Shisha-Lokale getroffen.“
Im Übrigen wären damit auch all jene vom Rauchen abgehalten worden, die nicht täglich in die Schule gehen: Lehrlinge und Schulabbrecher. Bei ihnen sind die Raucherquoten ungleich höher, wie die Musterungsdaten belegen: Bei Vorarlbergern, die eine höhere Schule besuchen, beträgt der Anteil 13,1 Prozent. Bei all jenen, die maximal einen Pflichtschulabschluss haben, sind es mit 39,8 Prozent viel mehr. Bei denen, die nicht einmal die Pflichtschule erfolgreich absolviert haben, handelt es sich gar um 59,1 Prozent.
Laut Prenn ist das ein bekanntes Phänomen: „Je niedriger der formale Bildungsstand, desto eher wird geraucht.“ Das hänge damit zusammen, wo sich die Leute aufhalten und wie viele Rauchmöglichkeiten sie haben. Auch die Herkunft spielt eine Rolle. In der Praxis nimmt er wahr, dass zum Beispiel ein besonders großer Anteil von Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund raucht, so der Berater.