Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Bärendienst

Politik / 26.02.2019 • 16:59 Uhr

Im letzten Moment erfolgte die Einigung zum Karfreitag zwischen Regierung und Kirchen. Die Verunsicherung rund um den halben Feiertag bleibt uns erspart. Übrig bleiben die Protestanten als Verlierer, denen ihr höchster Feiertag gestrichen wird. Dass alle anderen einen freien Tag nach eigener Wahl gewinnen, klingt auf ersten Blick erfreulich. Wenn dieser Tag aber zum bestehenden Urlaubsanspruch zählt, wird diese Regelung zum Nullsummenspiel und reiner Symbolik: Arbeitnehmer können einen ihrer Urlaubstage mit dreimonatiger Anmeldefrist zum „persönlichen Feiertag“ erheben – und müssen auf Wunsch des Arbeitgebers dennoch arbeiten. Die Regierung folgt damit dem Vorschlag des Handelsverbandes, der dies als „beste Lösung im Sinne aller österreichischen Arbeitnehmer“ lobt. Gewonnen haben die Arbeitnehmer aber im Grunde gar nichts, außer Zuschläge an ihrem persönlichen Feiertag und wahrscheinlich eine missmutig-verwirrte Buchhaltung.

Aus parteipolitischem Kalkül betrachtet teilen sich die Koalitionsparteien ebenfalls in Verlierer und Gewinner. Die ÖVP kann die Diskussion rund um den Karfreitag relativ locker nehmen. Sie nennt sich zwar eine christlich-soziale Partei, ist aber definitiv die Partei der Katholiken. Dies zeigt die Geschichte mit Obmann Ignaz Seipel, einem katholischen Theologen und Prälaten, oder heute das Naheverhältnis zum katholischen Cartellverband (CV). Den Katholiken bleiben alle Feiertage erhalten. Für Protestanten gab und gibt es hingegen nie eine logische Partei. Sie wählten eher nach dem Ausschlusskriterium. Für evangelische Unternehmer oder Angehörige freier Berufe wie Ärzte oder Rechtsanwältinnen, kamen weder ÖVP noch SPÖ in Frage. Sie fanden sich oft in der FPÖ, die traditionell die Partei der Nicht-Katholiken war.


„Die ÖVP nennt sich zwar eine christlich-soziale Partei, ist aber definitiv die Partei der Katholiken.“

Andere Protestanten können und wollen weder ÖVP noch FPÖ wählen. So landete ein überdurchschnittlicher Anteil der knapp 300.000 Evangelischen bei der SPÖ. Insofern wäre es ein kluger Schachzug der Sozialdemokraten gewesen, die Rechte dieser Religionsgruppe zu verteidigen, anstatt das Thema nur aus der Perspektive des Konflikts zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer abzuhandeln und zur gewerkschaftlichen Mobilisierung zu nutzen. Nicht nur mich als Konfessionslose stört die rein ökonomische Betrachtungsweise des Karfreitags.

Mit dieser Regelung sind daher alle Religionsgemeinschaften Verlierer. Aber auch unsere Gesellschaft, der eine weitere gemeinsame Auszeit in einer sich immer schneller drehenden Welt verloren geht. Sowie die Politik, die uns Bürgern mit dieser Lösung einen Riesenbären aufbinden will.