Meisterhaft bis zum letzten Ton

Kultur / 20.04.2026 • 15:19 Uhr
Meisterhaft bis zum letzten Ton
Lisa Batiashvili und Giorgi Gigashvili überzeugten im Festspielhaus Bregenz mit einem großartigen Duo-Rezital.Udo Mittelberger

Lisa Batiashvili und Giorgi Gigashvili begeistern im Festspielhaus Bregenz.

Bregenz Mit einem Duo-Rezital von Lisa Batiashvili und Giorgi Gigashvili ist die Meisterkonzert-Saison im Festspielhaus Bregenz auf eine Weise zu Ende gegangen, die dem Anspruch dieser Reihe in jeder Hinsicht gerecht wurde: mit Klasse, kluger Dramaturgie und einer künstlerischen Intensität, die den Abend von der ersten bis zur letzten Minute trug. Was dieses Konzert so besonders machte, war die Selbstverständlichkeit, mit der sich hier zwei Musiker auf höchstem Niveau begegneten und aus Werken unterschiedlicher Epochen einen großen Spannungsbogen formten.

Bregenz BF_Duo Razital_© Udo Mittelberger-25_1.jpg
Glanz, Ernst und große Klangrede im Festspielhaus Bregenz.Udo Mittelberger

Bereits vor Beginn des eigentlichen Programms wurde ein feiner, poetischer Akzent gesetzt. Als Dank an die Künstlerin des Bühnenbilds, Claudia Larcher, erklang Debussys „Beau soir“, jenes frühe Lied von schwebender Melancholie, in dem die Schönheit des Abends und die Vergänglichkeit des Glücks einander berühren. In dieser zarten Begrüßung entstand sofort jene besondere Atmosphäre der Sammlung, des Innehaltens und des feinen Hörens, die den Abend prägen sollte.

Meisterhaft bis zum letzten Ton
Udo Mittelberger

Mit Schwung, Esprit und sprechender Eleganz eröffnete Beethovens Sonate Nr. 3 das offizielle Programm. Batiashvili und Gigashvili kosteten den Witz und die Beweglichkeit dieses Werkes mit sichtlicher Freude aus. Von Beginn an stand die Gleichrangigkeit beider Stimmen im Mittelpunkt: Die Violine leuchtete, das Klavier antwortete hellwach, pointiert und mit federnder Präzision. Besonders schön gelang das Adagio con molt’ espressione, das Batiashvili mit herrlicher Linienführung und warmem Ton formte, während Gigashvili den Klavierpart mit diskreter Innigkeit und wacher Präsenz grundierte. Das Rondo schließlich funkelte vor Energie und rhythmischer Raffinesse, war leichtfüßig im Zugriff und doch klar konturiert bis in die feinsten motivischen Wendungen.

Gespenstische Kälte

Den Höhepunkt des Abends bildete Sergej Prokofjews Sonate Nr. 1, ein Werk von düsterer Wucht, spröder Schönheit und unerbittlicher Spannung. Batiashvili und Gigashvili inszenierten diese Sonate nicht als Spektakel, sondern als packende Erkundung jener inneren Unruhe, die Prokofjews Musik durchzieht. Schon der erste Satz war von gespenstischer Kälte erfüllt und wurde mit fein abgestufter Dringlichkeit sowie großer klanglicher Disziplin gestaltet. Vollends überwältigend geriet dann der zweite Satz, Allegro brusco, der einem fast den Atem raubte. Mit welcher Schärfe, Präzision und kontrollierten Wildheit hier musiziert wurde, war schlicht fesselnd. Die Violine schnitt durch den Raum, das Klavier setzte harte, unerbittliche Konturen, und aus dieser Konfrontation entstand eine musikalische Spannung, der man sich kaum entziehen konnte. Auch in den folgenden Sätzen hielten beide die düstere Grundierung des Werkes mit bewundernswerter Konsequenz, ohne je ins Grobe zu kippen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Nach der Pause erklang “Ein neues Werk für Violine und Klavier” von Josef Bardanashvili (*1948), kurz, konzentriert und von schlichter Schönheit. César Francks Sonate in A-Dur wurde danach zu einem weiteren Glanzpunkt. Hier überzeugte das Duo mit leuchtender Kantabilität, kluger Spannungsführung und einem wunderbar ausgehörten Zusammenspiel. Der große Bogen des Werks blieb stets spürbar, die lyrischen Passagen atmeten frei, die dramatischen Zuspitzungen hatten Gewicht, ohne je schwer zu werden. Gerade Gigashvili erwies sich hier als Partner von seltenem Format, aufmerksam, farbenreich und rhythmisch hochsensibel. Nichts wirkte gefällig, alles war getragen von Formbewusstsein und innerer Wärme. Dass am Ende als Zugabe ein georgisches Volkslied erklang, war mehr als eine charmante Geste. Es war ein stilles, berührendes Zeichen der Herkunft und der Verbundenheit, mit dem dieses würdige Saisonfinale einen besonders schönen, menschlichen Ausklang fand.