Eine besondere Gemeinde

10.10.2025 • 10:12 Uhr
PK, Landestheater, Pressekonferenz anlässlich eines gemeinsamen Projekts mit dem Franz-Michael-Felder-Verein und Autor Felix Mitterer, Walter Fink und Stephanie Gräwe

VN-Kommentar von Walter Fink.

Rankweil ist ein besonderer Ort. Nicht nur, weil es viele Gasthäuser hat, von denen zumindest eines an jedem Wochentag offen hat. Man muss also nie darben. Allein dadurch unterscheidet sich die Gemeinde von vielen anderen in Vorarlberg. In Rankweil findet sich auch die Landeswallfahrtsstätte auf dem Liebfrauenberg. Am Weg in die Kirche kommt man unter dem Hauptschiff zur Landesgedächtniskapelle, keiner üblichen Kriegergedenkstätte, sondern einem „Gedächtnisort für alle Opfer von Gewalt“. Ein wunderbarer, meditativer Raum, geschaffen vom Architekturbüro Cukrowicz-Nachbaur, ein Ort, „gewidmet der Würde aller Menschen, die unantastbar ist“. Auch ein Ort großer Kunst von Matt Mullican, der die Messingscheiben der nächtlichen Sternbilder in den Fußboden eingelassen hat. Es gäbe noch viel zu sagen zur Basilika Rankweil, auch zum Weg, der zu ihr führt.
Einen besonderen Blick auf die Basilika hat man vom neuen Park bei der Häusle-Villa und der neben ihr befindlichen „Stickerei“, die keine Stickerei mehr ist, sondern ein Kulturzentrum. Auch die Häusle-Villa ist mustergültig renoviert, bietet dem Standesamt, und Kultureinrichtungen Raum. Am angrenzenden Platz die alte Kirche St. Peter, daneben das durch Bernhard Wüst neu gestaltet Beinhaus, zu dem Paul Renner die künstlerische Ausgestaltung beitrug. Ein neues, bestechendes Zentrum für die Gemeinde.
Man muss die Gemeinde loben, auch deshalb, weil sie anlässlich der Erinnerung an 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs und der NS-Gewaltherrschaft ein Ganzjahresprogramm – verantwortet von Archivleiterin Stefanie Kollmann-Obwegeser und Kulturamtsleiterin Katharina Leissing – auf die Beine gestellt hat, das Seltenheitswert hat. Mehr als zwanzig Veranstaltungen widmeten und widmen sich dem Thema. Begonnen hat es mit der Rolle der Kirche in der NS-Zeit, einer der Höhepunkte war die Buchpräsentation „Rankweil 1938 -1945“ von Meinrad Pichler, eine Dokumentation, in der vor allem auch die handelnden Personen während des Nationalsozialismus – im positiven wie im negativen Sinn – genannt wurden. Wie im Buch war auch in einer Veranstaltung der „Fall Natalie Beer“ ein Thema, der NS-Filmikone Leni Riefenstahl war ein Abend gewidmet und natürlich ging es auch um die Euthanasie in der Gau-Anstalt Valduna, die für hunderte psychisch Kranke das gewaltsame Ende, für andere die Zwischenstation zur Tötungsanstalt Hartheim war.
Im Rahmen dieses Gedenkens wurde im März ein Wettbewerb zur Gestaltung eines Mahnmals für die NS-Opfer ausgeschrieben, der von Stefan Amann gewonnen wurde. Derzeit ist Amann „Artist in Residence“ in der Häusle-Villa, dort arbeitet er an den Details seiner Arbeit. Geplant sind Erinnerungstafeln aus Ton auf allen Friedhöfen Rankweils, vornehmlich an den allgemeinen Beerdigungsstellen. Die genaue Ausführung, ob mit Text oder ohne und nur mit einem Hinweis, ist noch nicht festgelegt. Sicher aber ist jetzt schon, dass Rankweil um mehrere Erinnerungsstätten reicher sein wird – neue Punkte, die den Ort so besonders machen.