Augenmaß
VN-Redakteurin Marlies Mohr kritisiert im Kommentar den Umgang der Politik mit Menschen mit Beeinträchtigung – und spricht über Sparzwang, fehlendes Augenmaß und gesellschaftliche Verantwortung.
So was fällt dann wohl in die Kategorie des Schönredens: Zuerst überschwänglich darstellen, was gewissermaßen Gutes getan wurde, um dann die eigentliche Problematik in ein paar mageren Sätzen abzuhandeln. Da fragt man sich schon: „Geht’s noch?“ Die Antwort kann im vorliegenden Fall nur lauten: „Nein!“ Das von der Politik selber verursachte Finanzdesaster ausgerechnet auf dem Rücken jener Menschen abladen zu wollen, die am wenigsten dafür können ist schon eine ziemliche Dreistigkeit. Menschen mit Beeinträchtigungen und deren Familien müssen sich täglich aufs Neue den Anstrengungen und Herausforderungen stellen, die ihnen das Leben abverlangt. Da bleibt keine Zeit, für gerechtfertigte Anliegen auf die Barrikaden zu gehen. Sie brauchen andere, die für ihre Erfordernisse einstehen, die einen guten Job machen können, um diesen Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Mit dem Spardolch im Rücken wird das jedoch zunehmend schwieriger. Mehr Augenmaß und vor allem wertvolle Unterstützung sowie ein zukunftsgewandtes politisches Handeln auf Gemeinde- und Landesebene ist hier nicht nur ein Gebot der Vernunft, sondern geradezu eine Pflicht.
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