Das war die Wahldiskussion zu Hohenems: Ist das neue Rathaus ein “Palazzo Prozzo”?

19.02.2025 • 19:15 Uhr
Wahldiskussion Hohenems
Die sieben Hohenemser Kandidaten: Günter Zechner (SPÖ), Bernhard Amann („Ems isch üsr“), Thomas Fussenegger (ÖVP), Dieter Egger (FPÖ), Maria Benzer (Grüne), Christian Mathis (NEOS) und Arnulf Häfele (Emser Liste) mit Moderatorin Magdalena Raos. VN/Rhomberg

Finanzen, Bauen und Wohnen als dominierende Themen der sieben Spitzenkandidaten.

Schwarzach Zur Gemeindewahl am 16. März treten in Hohenems gleich sieben Kandidatinnen und Kandidaten an: Bürgermeister Dieter Egger (FPÖ), Thomas Fussenegger (ÖVP), Bernhard Amann („Ems isch üsr“), Günter Zechner (SPÖ), Maria Benzer (Grüne), Christian Mathis (NEOS) und Arnulf Häfele (Emser Liste) fanden sich gemeinsam zur großen Wahldiskussion in Schwarzach ein, die von VN-Politikredakteurin Magdalena Raos moderiert wurde.

Wie steht es um Hohenems? Wie geht es der Stadt finanziell und wie finden die Kandidaten das geplante neue Rathaus? Das waren die dominierenden Themen der Diskussion.

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Die Finanzen

Hohenems geht es sehr gut, sagt der amtierende Bürgermeister Dieter Egger (FPÖ), während ÖVP-Kandidat Thomas Fussenegger bei den Finanzen eine große Herausforderung sieht. Die Verschuldung sei zu hoch, attestiert er. „Man muss die Gelder an den richtigen Stellen einsetzen, dort, wo sie benötigt werden und beim einen oder anderen Punkt sparen.“

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Bürgermeister Dieter Egger (FPÖ): “Hohenems ist ein Vorzeigebeispiel für Stadtentwicklung, für eine lebenswerte Stadt. Aber wir haben noch große Pläne, die ich gerne umsetzen möchte.”

Natürlich seien es finanziell schwierige Zeiten für alle Gemeinden, konkretisiert Bürgermeister Egger. „Viele Aufgaben werden zu uns hin verlagert. Nicht ausblenden darf man auch die Belastungen durch Corona, Inflation und Energiekosten. Hohenems hat aktuell 37 Millionen Euro Fremdschulden, 2016 waren es 34 Millionen. Aber wir haben es geschafft, Rücklagen aufzubauen.“

Wahldiskussion Hohenems
Thomas Fussenegger (ÖVP): “Wir wollen nah an den Bürgern sein. Wir wollen unbedingt mit anpacken und für die Bereiche Ehrenamt, Vereine und Familien einiges in der Stadt umsetzen.”

„Wir stehen für solide Finanzen und dass man sparsam mit Steuergeld umgeht. „Von Reformen habe ich bislang wenig gehört“, betont Christian Mathis (NEOS).

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Christian Mathis (NEOS): „Wir stehen für eine solide Politik und solide Finanzen. Wir denken, dass auch Hohenems uns braucht. Wir sind eine konstruktive Partei, die mitarbeiten will.”

Wenn man Geld in die Hand nimmt, dann für Bildung, ist Maria Benzer (Grüne) überzeugt.  „Ich bin Kindergärtnerin. Kinder dürfen nicht außen vor gelassen werden. Deshalb stehe ich für einen Ausbau der Kinderbetreuung und eine dritte Mittelschule.“ Das passiere. Die letzten Jahre seien 40 Millionen Euro in die Bildung geflossen, so der Bürgermeister.

Wahldiskussion Hohenems
Maria Benzer (Grüne): „Ich möchte Vizebürgermeisterin werden, um mich für Bildung einzusetzen und für eine Stadt, in der man gerecht, gemeinschaftlich und gesund leben kann.”

Für Arnulf Häfele (Emser Liste) ist dabei allerdings der Kindergarten im oberen Stock des MPreis-Supermarktes ein Dorn im Auge. „Da blutet mir das Herz, wenn ich das sehe. Das ist das falsche Konzept.“

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Arnulf Häfele (Emser Liste): „Für uns gibt es einfach zu viel FPÖ in der Hohenemser Stadtpolitik. Wir wollen, dass nicht von oben herab entschieden, sondern miteinander diskutiert wird.”

Rathaus in Diskussion

Eine Frage, die alle Spitzenkandidaten umtreibt, ist auch der Neubau des Rathauses. „Der Bürgermeister will sich ein Denkmal setzen. Es ist ein größenwahnsinniges Projekt, ein Palazzo Prozzo“, sagt Arnulf Häfele. Auch Thomas Fussenegger ist davon überzeugt, dass es kleiner gegangen wäre. Die Kritik von Bernhard Amann: Zu wenige Diskretionsräume in der Sozialabteilung im unteren Stock. Für Christian Mathis ist es ebenfalls „zu groß, zu protzig.“

Wahldiskussion Hohenems
Bernhard Amann („Ems isch üsr“): „Wir sind immer mit Herz dabei. Wir sind die Kümmerer der Stadt und nehmen uns der Probleme und Sorgen der Menschen an.”

Dieter Egger tritt dem entschieden entgegen. Die Verwaltung sei bislang aufgeteilt auf mehrere Gebäude, die teils angemietet sind. „Kleiner ging es nicht. Das Rathaus ist für 100 Mitarbeiter konzipiert, 85 ziehen nun dort ein.“ Und Maria Benzer weist auf die Energieeffizienz hin. „Mit dem Gebäude zeigen wir, was für tolle Ansätze es im ökologischen, nachhaltigen Bauen gibt. Darauf können wir stolz sein.“

Neben dem Budget verabschiedete die Stadtvertretung auch die Generalplanung des neuen Rathauses um 1,5 Millionen Euro.  Stadt
So soll das neue Rathaus aussehen.  Stadt

Toll finden es viele auch, in Hohenems zu wohnen. Die Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Leistbares Wohnen ist deshalb ein zentrales Thema im Wahlkampf.

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Günter Zechner (SPÖ): „Wir hören den Menschen zu, wir verstehen, was sie möchten und wir machen es. Man muss Bürger mehr einbeziehen, dafür stehen wir. Wir sind die Stimme der Bürger.”

„Ich wüsste nicht, wo man in Hohenems günstig wohnen kann. Wer kann sich das noch leisten?“, fragt sich Günter Zechner und plädiert für mehr Wohnbauaktivitäten und ein Akquirieren von Leerstand.

Christian Mathis kritisiert vor allem den Umgang mit Einwohnern, die ihr Eigenheim umbauen oder dazu bauen wollen. „Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Es ist furchtbar, wie hier mit Bürgern umgegangen wird. Es wird eher boykottiert als unterstützt.“

Wahldiskussion Hohenems
Die große Wahldiskussion zu Hohenems.

Mehr bauen will auch Bernhard Amann. Es sei viel getan worden, ja, aber es gebe eben auch einen gewaltigen Zuzug. Die Mietpreise seien exorbitant hoch. Das bestätigt auch Maria Benzer. Entwicklungspotenzial für ein Quartier sieht sie dabei im Gebiet Herrenried.

Thema Herrenried

„Die Stadt sollte dort Grundstücke für den sozialen Wohnbau zur Verfügung stellen, nicht für Einfamilienhäuser“, ist Häfele überzeugt. Es sei ein Gebiet, das wiederbelebt werden müsse, so Fussenegger. „Viele sagen uns, dort passiert nichts. Auch den Skaterplatz für Jugendliche gibt es nicht mehr.“ Mathis ist jedenfalls dafür, die Bevölkerung bei den Planungen einzubeziehen.