Warum in Benkos Lecher Hotel Chalet N. nur selten Gäste anzutreffen sind

Das Reich des Immobilientycoons Rene Benko bröckelt. Der Tiroler hat auch in Vorarlberg Kontakte und ein Hotel mit Höchstpreisen und wenigen Gästen.
Wien, Innsbruck, Lech Wandert man derzeit in den Lecher Ortsteil Oberlech, tut sich nicht viel. Die Hotels sind geschlossen, viele Hoteliersfamilien nutzen die Tage vor Saisonstart noch für eine kurze Auszeit. Verschlossen ist auch das Chalet N. Es nimmt eine Sonderstellung in Lech ein. Zum einen sorgt es international regelmäßig für Schlagzeilen wegen des ausgerufenen Übernachtungspreises. Bucht man zu Saisonbeginn ab 9. Dezember, also in der Vorsaison, beläuft sich der aktuelle Preis auf 250.000 Euro pro Woche. Ein Schnäppchen gegenüber der Hochsaison: Weihnachten 2023 beläuft sich der Preis auf 510.000 Euro – ebenfalls für sieben Nächte.

Das Superluxushaus, von dem nur wenig nach außen dringt, bietet Platz für 22 Gäste, in der Vorsaison und bei voller Belegung würde das pro Person und Nacht 1623 Euro und „ein paar Zerquetschte“ kosten. Allerdings: Der Preis wird auch fällig, wenn man allein im Chalet urlaubt. So oder so ist das viel Geld auch für Gäste im Nobelskiort: Es soll Gäste im Chalet N. geben, doch gesehen hat sie niemand. Die Luxusherberge ist Benkos sichtbare Präsenz in Vorarlberg. Benannt ist sie nach Ehefrau Nathalie. Und eigentlich, so erzählt man sich in Lech hinter vorgehaltener Hand, ist es kein Beherbergungsbetrieb, sondern das Privatdomizil der Familie. Namentlich nimmt man im Hoteldorf ungern Stellung – Diskretion ist schließlich eine der wichtigsten Eigenschaften einer Hotelière oder eines Hoteliers.

Doch die „Umwidmung des Hotels“ sorgt bei vielen Lechern, mit welchen die VN in den letzten Tagen gesprochen hat, nachhaltig für Unmut. Ansonsten tue Benko, was er auch sonst tut – er macht sich rar. Allerdings: Wenn man denn mit ihm zu reden komme, sei er unkompliziert, „halt normal“, sagt einer, der eben mit ihm ins Reden gekommen ist. Im Dorf sieht man ihn selten bis gar nicht. „Seine Frau sieht man regelmäßig, sie macht sich aber nicht wichtig“, erzählt ein Modehändler, sie sei auch regelmäßig in den Restaurants in Oberlech und Lech zu Gast. Ein öffentlich zugängliches Restaurant hat das Chalet N. nicht – auch deshalb, weil sich die benachbarten Häuser keinen weiteren Mitbewerber gewünscht haben sollen.
Poker um das Schlössle
Benko sorgt seit dem Kauf der Liegenschaft im Jahr 2011 für Unruhe im Tourismusort. Schon der Kauf der ehemaligen Schlössle-Liegenschaft durch den damals zwar schon bekannten, aber noch nicht so schillernden Benko sorgte für böses Blut im Ort und erste Kratzer am Image von Langzeitbürgermeister Ludwig Muxel, weil die Gemeinde, die das Vorkaufsrecht für die Liegenschaft hatte, beim Preispoker schlussendlich aber doch nachgeben musste. Verkauft wurde nicht die Liegenschaft, sondern die Betreiberfirma des vormaligen Hotels Schlössle. Die Rede war von einem Preis zwischen acht und zehn Millionen Euro. Bedingung für einen Neubau: Es muss ein Hotelbetrieb sein.

Für Muxel wird das Chalet N. zu einer schweren Bürde. 2015 ermittelte doch die Korruptionsstaatsanwaltschaft aufgrund einer Anzeige wegen „Vorteilszuwendung“ gegen die Gemeinde, 2016 wurde das Verfahren eingestellt.
Dass ein zweites Projekt von Benko schlussendlich nicht umgesetzt wurde, erleichtert die Lecher. „Da sind jetzt einige froh, dass Benko kein KdW in den Lechwelten eröffnet“, sagt ein Gemeindevertreter, der ebenfalls anonym bleiben will. Aber ansonsten: „Über Benko kann ich nichts Negatives sagen, ich kenne ihn nicht“, sagt der Lokalpolitiker weiter. Lech ist nicht der einzige Bezugspunkt zu Vorarlberg. Im Beirat des Firmenkonglomerates sitzt mit ÖOC-Präsident Karl Stoss ein Dornbirner, der zuvor als Manager in der Bundeshauptstadt Karriere gemacht hat.

Auf dem Weg vom Dachbodensanierer (Dachboden waren die ersten Projekte, die der junge Benko realsisierte) zum Immobilientycoon kooperierte er, so steht es sogar bei Wikipedia zu lesen, mit dem Vorarlberger Bauunternehmen i+R. Ohne Friktionen und in bestem Einvernehmen, wie aus dem Unternehmen zu hören ist. Auch beim Bau von Chalet N. war i+R Generalunternehmer und in der Startphase auch Gesellschafter der Betreiberfirma. Über Benko könne man nichts Negatives sagen, auch wenn die letzten Kooperationen schon eine Weile zurückliegen. Ein anderer hiesiger Bauunternehmer, der wiederholt mit der Signa zusammenarbeitete, betont, dass man auch die guten Seiten der Signa-Aktivitäten nicht beiseite lassen darf: „Der Bauwirtschaft hat er über viele Jahre gute Aufträge beschert.“ Er spekuliert, dass Benko letztendlich über seine Handelsaktivitäten und das schnelle Wachstum stolperte. Denn Benko sei immer ein echter Immobilienexperte gewesen. Die Immobilienkrise und letztlich die Unübersichtlichkeit des Firmenkonstrukts habe schließlich auch den einstigen Superstar der Branche überfordert.

Außer dem Chalet N., das schließlich zwischen 35 und 40 Millionen kostete, hat die Signa bzw. Benko keine Aktivitäten in Vorarlberg gesetzt.