Probleme bei neuen ÖBB-Zügen: “Ich war perplex und fühlte mich hilflos”

11.07.2023 • 11:01 Uhr
Probleme bei neuen ÖBB-Zügen: "Ich war perplex und fühlte mich hilflos"
Sabrina Nitz mit ihrem Hund Findus am Bahnhof Sulz-Röthis.

Hublifte der neuen Züge setzen nicht bei jedem Bahnsteig nahtlos auf. Am Bahnhof Sulz-Röthis und weiteren Haltestellen führt das zu Problemen für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Sulz-Röthis Der Zug um 8:08 Uhr ist normalerweise jener Zug, den die 42-jährige Sabrina Nitz mit ihrem Assistenzhund Findus wählt, um vom Bahnhof Sulz-Röthis nach Dornbirn zu ihrer Arbeit fahren zu können. So auch am 1. Juni dieses Jahres.

Ein neuer Zug der ÖBB fuhr ein, Sabrina Nitz wollte zusteigen. „Leider wurde mir an diesem Tag ohne Vorankündigung die Mitreise mit dem neuen Zug der ÖBB verwehrt“, so Nitz, die seit ihrer Geburt auf ihren elektrischen Rollstuhl angewiesen ist. „Ich war perplex und fühlte mich hilflos“, so die junge Frau, die dank Persönlicher Assistenz voll im Leben steht. Auch nach längerem Diskutieren war an dem Entschluss nicht mehr zu rütteln. An diesem Tag konnte Nitz nicht mitfahren. Eineinhalb Stunden später kam sie auf Umwegen dank ihrer Persönlichen Arbeitsassistenz bei ihrer Arbeit in Dornbirn an.

Probleme bei neuen ÖBB-Zügen: "Ich war perplex und fühlte mich hilflos"
Nachdem Sabrina Nitz die Mitreise verweigert wurde, musste sie die Haltestelle verlassen.

Gerade der Bahnsteig Sulz-Röthis in Richtung Dornbirn hat einen Höhenunterschied von acht bis zehn Zentimeter. „Das Paradoxe daran ist, dass, wenn ich von Dornbirn nach Sulz fahre, aussteigen kann, da die Differenz niedriger ist“, so Nitz. Schritt für Schritt werden nun im Land die neuen Züge bis Oktober installiert. Diese bringen zwar wesentliche Verbesserungen auch für Rollstuhlfahrer mit sich, dennoch wurde nicht alles bedacht. „Man kann doch nicht einfach neue Züge eintauschen, ohne sicherzustellen, dass der Hublift korrekt ausgefahren werden kann“, sagte Nitz.

Folgende Bahnhöfe sind betroffen

Auf Nachfrage ihrerseits beim Regionalmanagement Vorarlberg, welche Bahnsteige noch nicht barrierefrei seien, erhielt sie eine Auflistung von weiteren sieben Bahnhöfen. Diese sind Feldkirch-Amberg, Frastanz, Haselstauden, Schwarzach, Klaus (befindet sich gerade im Umbau), Wolfurt und Nenzing.

Probleme bei neuen ÖBB-Zügen: "Ich war perplex und fühlte mich hilflos"
Unter anderem auch beim Bahnhof in Nenzing und … Foto: Kager-Meyer
Probleme bei neuen ÖBB-Zügen: "Ich war perplex und fühlte mich hilflos"
… bei der Haltestelle Haselstauden (Dornbirn) kommt es aktuell zu Problemen mit den Hubliften der neuen ÖBB-Züge. Foto: Rauch

ÖBB sucht Lösungen

„Ich habe nach diesem unschönen Erlebnis sofort mit den ÖBB Kontakt aufgenommen. Ihnen war der Vorfall sehr unangenehm und sie haben mir ihre Hilfe zugesichert“, erzählt Nitz. Seit 12. Juni fährt nun ein zusätzlicher Zugbegleiter an jenen Tagen mit, an denen sie zur Arbeit fährt und hilft ihr beim Einsteigen. „Das ist sehr lieb, doch eine dauerhafte Lösung kann das keine sein. Manchmal würde ich den Zug davor erwischen, doch das traue ich mich nicht, aus Angst wieder nicht mitgenommen zu werden“, so Nitz. Marcus Ender, Leiter des Nah- und Regionalverkehrs in Vorarlberg, bedauert den Vorfall. Er wird den Bahnsteig in Sulz-Röthis besichtigen und prüfen lassen, ob mit baulichen Maßnahmen eine Anpassung der Höhe erfolgen kann. „Bis wir eine Lösung für den Bahnsteig in Sulz-Röthis gefunden haben, wird ein Zugbegleiter Frau Nitz beim Ein- und Aussteigen helfen“, so Ender.

Probleme bei neuen ÖBB-Zügen: "Ich war perplex und fühlte mich hilflos"
Nitz: “Ich habe nach diesem unschönen Erlebnis sofort mit der ÖBB Kontakt aufgenommen. Ihnen war der Vorfall unangenehm und sie haben mir Hilfe zugesichert.”

Auf umliegende Bahnhöfe ausweichen

„Mir wurde nahegelegt, beim barrierefreien Bahnhof in Rankweil zuzusteigen“, so Nitz. Das sei selbstverständlich möglich, doch ist dieser dreieinhalb Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. „Auch ich habe das Recht als Sulznerin den Bahnhof in unwesentlicher Entfernung von meinem Zuhause zu nützen. Ich möchte keine Sonderbehandlung, sondern einfach wie jeder andere Bürger und jede andere Bürgerin den öffentlichen Verkehr nutzen können“, sagt sie freundlich und bestimmt. Bis zum 1. Juni hat sie das auch ohne Probleme gemacht, und sogar das Ein- und Aussteigen bei den neuen Zügen mit ihrem E-Rollstuhl gemeistert. Nun hofft sie, dass im Sinne der Inklusion auch Rollstuhlfahrern das Reisen mit den neuen Zügen ermöglicht wird. Und zwar überall. BVS