Mensch und Natur im Einklang

Erster Vorarlberger slow food-Preis wurde an Daniela Vogel vergeben. Die Vorarlbergerin liebt die Natur und steht für Biodiversität.
Meiningen Sogenanntes slow food rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Es ist das Gegenteil von Fastfood, dem schnell produzierten und günstigen Essen. Beim slow food ist es wichtig, sich Zeit beim Anbau sowie der Produktion zu lassen. Im Grunde gilt: Qualität vor Quantität. Angesichts dessen wurde heuer der slow food Preis 2022 in Vorarlberg an Daniela Vogel verliehen. Sie wurde für ihre Arbeit als Leiterin im „Aqua Garten“ in Meiningen, wo sie zusammen mit ihrem Team biozertifiziertes Gemüse züchtet, ausgezeichnet. „Ich habe mich sehr gefreut, weil es ein großes Kompliment für unsere Arbeitsweise ist“, bedankt sie sich.

Auf 2,5 Hektar wird im Aqua Garten, der zur Aqua Mühle gehört, Gemüse angebaut. Dabei wird großer Wert auf Biodiversität im Garten gelegt. „Wir pflanzen 50 verschiedene Kräuter und 30 Gemüsesorten an“, erzählt Vogel. Das Gemüse wird zur Weiterverarbeitung in die Küche der Aqua Mühle, die sich in der Messehalle befindet, geschickt. Schließlich zaubern die Köche dort 2500 Mahlzeiten am Tag, die an einige Schulen in Vorarlberg verteilt werden. Die 39-Jährige bespricht sich im Vorfeld mit dem Chefkoch, wie viel und was an Gemüse gebraucht wird.

Natur pur
Da der Aqua Garten die Bio- als auch Green Care Zertifizierung hat, müssen einige Richtlinien befolgt werden, die Dünger und Spritzmittel betreffen. „Wir verweigern uns jedoch komplett und verwenden gar keine Spritzmittel. Stattdessen gibt es viele wilde Flecken im Garten, sodass wir eine große Vielfalt haben. Dort finden Nützlinge wie Wildbienen und Eidechsen Raum. So benötigen wir keine Spritzmittel“, erläutert die Facharbeiterin für Gemüsebau.

Daniela Vogel und ihr Team arbeiten mit eigenem Kompost und verwenden Schafwolle als Dünger. Die Wolle sei mittlerweile ein Abfallprodukt, deswegen sei es bedeutsam, dass sie in den Kreislauf kommt. Außerdem ist Schafwolle ein großer Wasserspeicher und lockert die Erde auf. Vogel legt viel Wert darauf, dass der Garten im Naturgleichgewicht bleibt. Zudem achtet sie darauf, dass sie und die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit den Boden nicht ausbeuten. Vogel schaut, dass er „enkeltauglich“ bleibt, damit er von der nächsten Generation genau so genutzt werden kann. „Bei uns fördern wir immer das Positive, sodass es das Negative ausgleicht. So ist auch unser sozialarbeiterisches Konzept. Wir schauen nicht, was schlecht ist, sondern was positiv ist und wie wir das größer machen können.“

Im Aqua Garten arbeitet Vogel mit psychisch erkrankten Personen und mit Langzeitarbeitslosen. „Wir haben ein Angebot auf dem zweiten Arbeitsmarkt. Das heißt, Leute, die im ersten Arbeitsmarkt keinen Platz finden, werden bei uns vorbereitet und betreut“, sagt sie. Genau diese Kombination aus landwirtschaftlicher und sozialer Arbeit macht der Röthnerin Freude. „Ich finde es toll, dass ich mit den Personen, die ich begleite, ganz reale Arbeit verrichte, so wie anpflanzen, Kulturarbeit und ernten. Dadurch schaffe ich einen Mehrwert.“

Generell achtet Vogel darauf, dass die Arbeit im Aqua Garten stets verbessert wird, damit mehr Wertschätzung für die Natur entsteht: „Natur und Mensch sollen im Einklang sein.“ Besonders fasziniert sie an ihrer Tätigkeit, dass sie jeden Tag draußen sein darf und körperlich aktiv ist. „Diese Verwurzelung und die Erde unter den Füßen zu spüren, genauso wie die verschiedenen Jahreskreise zu erleben, von düster und neblig bis zum Frühling, begeistert mich“, betont die leidenschaftliche Gärtnerin.