Legendärer Bulli macht auf schick und cool

Volkswagen hat einem Traditionalisten neues Leben eingehaucht. Die Neuauflage folgt der DNA seiner Ahnen.
Schwarzach Die Legende lebt weiter. Seit 1949 baut Volkswagen den Bulli als Multitalent und Raumriesen. Mittlerweile hat Volkswagen die nächste Generation des Multivans am Start. Der T7 baut auf einer neuen Plattform auf und darf sich weit stärker als seine Vorgänger in Richtung Lifestyle bewegen. Für den eher praktischen Einsatz im gewerblichen Bereich und als Unterbau für das Reisemobil Californa ist der T6.1 im Programm geblieben.
Er muss also nicht alles können, darf exklusiver auftreten und sich als die schicke und coole Zugabe der erfolgreichen Baureihe profilieren. Volkswagen hat den Look der Ikone in die Neuzeit übertragen. Überhaupt folgt der Multivan der DNA seiner legendären Vorgänger. Alles neu interpretiert und ganz in die Zukunft gerichtet.
Geduckt in jedes Parkhaus
Als Multitalent im Personentransport kommt es freilich auch in der Gegenwart auf die Größe an. Mit 1,94 Meter Breite und 4,97 Metern Länge sind jeweils ein paar Zentimeter dazugekommen. Auch der Radstand ist gewachsen (3,12 Meter). Weil nicht jede Garage für Autos mit knapp zwei Metern Höhe konzipiert ist, haben die Verantwortlichen der VW-Nutzfahrzeugsparte den Multivan in der Höhe ein wenig geschrumpft. 7 Zentimeter ist der T7 niedriger als der Vorgänger und kommt so auf 1,9 Meter und in praktisch jede Garage. Dabei ist die Innenraumhöhe kaum niedriger geworden.
Motorisch setzt VW stark auf Benziner, was für einen Bus doch eher ungewöhnlich ist. Neben einem 150-PS-Diesel sind es ein Plug-in-Hybrid mit 218 PS, ein kleiner 136 PS Benziner und ein größerer mit 204 PS. Allesamt schalten automatisch. Den bei VW-Bussen in Österreich sehr gefragten Allradantrieb gibt es indes nicht. Angetrieben werden ausschließlich die Vorderräder.
Wir haben zum Test den großen Benziner ausgefasst und uns rasch von der außergewöhnlichen Laufruhe überzeugen lassen. Mit Bus im klassischen Sinne hat das Ganze ohnedies nichts mehr zu tun.
Das 2-Liter-Turboaggregat leistet 204 PS und verfügt über ein Drehmoment von 320 Newtonmeter. Der Sprint auf Tempo 100 ist in nur 9,4 Sekunden geschafft, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h. An Spritzigkeit und Durchzugskraft fehlt es also nicht. Gerüstet ist der Benziner mit einer Anhängelast von 2000 Kilogramm auch für den Einsatz als Zugfahrzeug. Der Verbrauch: 8,8 Liter laut Norm (WLTP). Ein Wert, der auf der Langstrecke auch in der Praxis durchaus machbar ist.
Variable Einzelsitze
Zurück in den Innenraum, wo es jetzt ausschließlich Einzelsitze gibt. Sieben an der Zahl sind es, die sich höchst variabel anordnen lassen. Sie können verschoben, ausgebaut und gedreht werden. Seinem Ruf als Multitalent ist der Multivan jedenfalls treu geblieben. Weil die Shift-by-wire-Schaltung und die Parkbremse platzsparend in die Armaturen gewandert sind, fällt die Mittelkonsole weg. Es entsteht noch mehr Raum und ein Durchstieg zwischen Fahrer und Beifahrer. Apropos Raum: 469 Liter Ladevolumen sind es als Siebensitzer. Im Bestfall, mit nur einer Sitzreise, erhöht sich das Ladevolumen auf 3672 Liter. Zudem gibt es eine Langversion mit noch mehr Platz.
Das Raumgefühl ist top. Das gilt auch für die Qualitätsanmutung. Der neue Multivan bietet ohnedies alles, was man vom Golf oder ID.4 kennt. Leider mit dem modernen Bediensystem auch eine Schwäche: Die unbeleuchteten Touch-Slider lassen sich im Dunkeln nur mühsam bedienen. Das war es dann aber auch schon mit Mankos. Der Bulli ist überzeugend in der Gegenwart angekommen. VN-MIG



Fakten und Daten
Motor/Antrieb 2-Liter Turbobenziner (4-Zylinder), 204 PS, 320 Nm, 7-Gang-DSG, Frontantrieb
Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 9,4 Sek.; 200 km/h Spitze, 8,8 l Verbrauch (9,3 l im Test)
Preis ab 52.400 Euro (1.5l Benziner), Testwagen (2.0 TSI Style) 96.482 Euro