Mit Schirm, Charme und Kanone

Motor / 24.09.2021 • 10:49 Uhr
Die Neuauflage kostet rd. 3 Mill. Euro.
Die Neuauflage kostet rd. 3 Mill. Euro.

Ab 30. September ist Bond wieder auf der Leinwand unterwegs und natürlich fährt er Aston Martin.

London Am Ruf, gute Autos zu bauen, hat es Aston Martin nie gemangelt. Nur die Finanzen des kleinen Unternehmens sind 1963 wieder einmal geschüttelt und gerührt. Und dann kommt auch noch ein Filmteam und will ein Auto für irgend so eine Agenten-Geschichte. Und sie hätten da auch einige Ideen für spannende Umbauten, etwa Maschinengewehre, Schleudersitz und einen ausfahrbaren Kugelschutz. Gedreht werden soll teilweise in der Schweiz und eigentlich bräuchte man doch zwei Autos. Sonst noch was? Eigentümer David Brown, das DB in der Modellbezeichnung der Nobelhobel, ist not amused. Aber Ken Adams, seineszeichens Set-Mastermind der Filmcrew, kann ziemlich überzeugend sein. Und die Ideen für die Bond-Gadgets sind eigentlich seine ureigensten Wünsche um der anderen Verkehrsteilnehmer Herr zu werden, die laufend seinen schönen Jaguar zerschrammen.

Schließlich einigt man sich auf einen zeitlich befristeten Leihvertrag – David Brown will die beiden Autos nachher wieder haben. Dass er damit einen Marketingdeal mit Langzeitwirkung eingeht, ist ihm nicht bewusst. Dass der wodka-martinibetriebene Geheimagent zwischendurch auch anderes fuhr als Aston Martin ist heute undenkbar. Tatsächlich pilotierten sogar die Kurzzeit-Bonds George Lazenby und Tomothy Dalton einen, nur Langzeit-Mime Roger Moore nie. Seit Daniel Craig den Job macht, sind ist die Edel-Waffe wieder fixer Bestandteil. Auch der Ur-Dienstwagen DB5 ist im coronabedingt mit fast zwei Jahren Verspätung anlaufenden neuesten Epos „Keine Zeit zu sterben“ wieder dabei – und neben dem aktuellen DBS Superleggera und dem kommenden Valhalla als Draufgabe auch noch der V8 aus „Hauch des Todes“ – teilweise in Wien gedreht, weil sich die abgeranzte Stadt 1987 der Welt bequem als Ostblock-City verkaufen ließ.

Exklusive Kleinserie

Weil es der 25. Bond-Streifen ist legt Aston Martin jetzt eine Kleinserie von ebenfalls 25 sogenannten „Goldfinger Continuation Cars“ auf, natürlich in der einzig denkbaren Farbe Silver Birch. Nicht womöglich schnöde Silhouetten-Fakes mit irgendeinem Fahrgestell und Motor, sondern Originale bis ins kleinste Detail. Sogar damals von der Handarbeit verursachte Assymetieen der Karosserie wurden übernommen. Es sind somit 25 Oldtimer Baujahr 2019 bis 2021, jeweils in etwa 4500 Arbeitsstunden von Hand gebaut und so perfekt oder unperfekt wie damals.

Als Draufgabe sind die Autos mit diversen Goldfinger-Gadgets ausgestattet: Etwa die Maschinengewehre aus den vorderen Scheinwerfer-Öffnungen und die zum Reifenschlitzer mutierenden Zentralverschüsse der Felgen – natürlich beides ohne die martialische Funktion. Der hochfahrbare Kugelschutz ist auch an Bord, er würde seine Aufgabe angeblich zufriedenstellend erfüllen. Der berüchtigte Schleudersitz hat es nicht in die Kleinserie geschafft – man will rechtliche Konsequenzen aufgrund von Benutzerfehlern vermeiden. Ansonsten sind sowohl die Autos selbst als auch ihre Spielereien voll einsatzfähig. Wenn auch offiziell nicht zulassungstauglich für den Straßenverkehr.

Weil bei Aston Martin aber viele Kunden tatsächlich Könige sind, dürfen sie letztendlich selbst entscheiden womit sie in ihrem Land herumfahren. Die Preisfrage ist mit 2,75 Millionen Pfund, knapp 3 Millionen Euro pro Stück, nur noch Nebensache – die Neuauflage ist bereits ausverkauft.

Die Investition in eine Kinokarte ermöglicht aber zumindest ausgiebig schöne Ansichten davon und spendet damit eventuell ein Quantum Trost.

Ausgestattet mit den Goldfinger-Extras.
Ausgestattet mit den Goldfinger-Extras.
In „Keine Zeit zum Sterben“ kommen gleich drei Aston Martins zum Einsatz.Max Eary (3)
In „Keine Zeit zum Sterben“ kommen gleich drei Aston Martins zum Einsatz.Max Eary (3)