Warum Assistenzsysteme oft nicht zuverlässig funktionieren

Wenn die Helfer nerven – das sind die Fehlerquellen.
Wien Unterschieden wird heute vor allem zwischen Sensor- und Kamera-basierenden Assistenzsystemen. Erstere arbeiten mit Radar, Infrarot oder Ultraschall und liefern Informationen für den adaptiven Tempomaten, Totwinkelassistenten, Abstands- und Kollisionswarner. Bei Sensoren liegt der Preisunterschied je nach Qualität im Einkauf oft nur im Centbereich – auf eine Millionenproduktion von Fahrzeugen gerechnet summiert er sich allerdings. Um dem dann oft mangelhaften Kalibrierungsbereich der billigeren Varianten gegenzusteuern, wird eine übersensible Reaktion programmiert und ein Maximalversagen – das Nichtreagieren bei einer tatsächlichen Gefahr – damit ausgeschlossen. Der psychologische Effekt des Ignorierens oder Abschaltens wegen Dauer-Fehlalarmen ist dann juristisch das Problem des Fahrers, nicht des Herstellers. Dass bei jedem Neustart alle Assistenzsysteme wieder „on“ sein müssen, verlangt die General Vehicle Safety Regulation der EU.
Immer umfangreicher werden die Einsatzbereiche der Kamera-gestützten Systeme, etwa bei Spurhaltewarner und -assistent, Verkehrszeichen- und Fußgängererkennung, intelligenter Scheinwerfersteuerung. Wobei der Begriff Kamera hier so zu verstehen ist, dass zirka 30 Einzelbilder pro Sekunde verarbeitet werden. Der Begriff „Bild“ ist allerdings ein wenig trügerisch – die aufgenommenen Daten werden in komplexen Verarbeitungslogarithmen verwertet, auf dort definierte Muster geprüft und in Reaktionen umgesetzt. Bei hochgradigen teuren Systemen geschieht diese Verarbeitung als sogenannte Datenfusion gemeinsam mit den Inputs aus anderen Informationsquellen – etwa den verschiedenen Sensoren – in einer zentralen Recheneinheit. Überschneidungen werden dabei abgeglichen und Fehler minimiert. Die Leistungsfähigkeit eines Audi A8 liegt beispielsweise bei 1012 Rechenoperationen pro Sekunde. Abseits der Premiumklassen findet die Informationsverarbeitung in kostengünstigeren, getrennten Modulen mit deutlich geringerer Rechenleistung statt. Warum insgesamt ein gewisser Grad Fehlfunktionen in Kauf genommen wird, lässt sich wohl so erklären: Lieber oft geärgert, als einmal versagt. Dass sie meistens zu 99 Prozent funktionieren, ist dennoch ein schwacher Trost. Eine Bremse oder Lenkung, die ein von hundert Mal versagt, würde niemand akzeptieren. PAB