„Wir wollen nicht Premium spielen“

Seat- und Cupra-Chef Wayne Griffith über die Zukunft seiner Marken, E-Mobilität und neue Konzepte.
Seat, cupra Wayne Griffith ist derzeit der wohl unkonventionellste Vorstandsvorsitzende in der Automobilbranche. Der 55-jährige Brite würde auch gut zu einem Mode- oder Sportunternehmen passen – und im Grunde genommen ist das spanische Marken-Duo Seat und Cupra ja auch etwas von beidem. Im Umgang lässig, in der Sache aber extrem fokussiert – so lässt sich der vor fünf Jahren von Audi zur spanischen VW-Tochter gewechselte Manager am ehesten beschreiben. Zunächst für Vertrieb und Marketing zuständig und seit einem Jahr Herr über beide Marken hat er Seat zum am schnellsten wachsenden Autohersteller Europas gemacht – mit einer Käuferschicht, die gut zehn Jahre jünger ist, als der sonstige Durchschnitt.
Österreich streut Griffiths Rosen, immerhin hat Seat hier mit rund 8 Prozent den höchsten Marktanteil außerhalb Spaniens: „Österreich ist für uns die Benchmark, wir verkaufen hier mit sehr hohem Ausstattungslevel und haben mehr junge Kunden als irgendwo sonst.“ Dabei will er es gar nicht jedem recht machen: „Wir wollen Autos bauen, die einige Menschen lieben, aber nicht alle mögen müssen“, umschreibt Griffiths die emotionale Nische, in der Seat und die von ihm vor drei Jahren ins Leben gerufene Performance-Marke Cupra sich bewegen. „Wir wollen nicht Premium spielen – es gibt einen Bereich für hochwertige, aber immer noch preisorientierte Sportlichkeit.“ Weltweit mittlerweile mehr als 45.000 verkaufte Cupras allein im heurigen Jahr geben ihm recht. Dank dem ersten völlig eigenständigen Modell, dem Formentor, legte Cupra heuer gegenüber dem Vorjahr satte 240 Prozent zu – gut die Hälfte davon als sportlicher Plug-in-Hybrid.
Pragmatisch
Das Thema Elektrifizierung sieht Griffiths grundsätzlich pragmatisch und unideologisch – er verkauft Autos, keine Politik. „Elektro ist das, was wir aktuell haben.“ Vom bisher mäßigen Erfolg der E-Mobilität, vor allem bei Privatkunden, erwartet er spätestens mit der voraussichtlich ab 2025 kommenden Euro-7-Abgasnorm eine Verbesserung. „Die Euro 7 wird Fahrzeuge ohne Plug-in-Hybridisierung fast unmöglich machen – Kleinwagen werden damit zu teuer für den Markt.“ Zumindest in den Einsteiger-Segmenten, so Griffiths, würden sich dann batterieelektrische Fahrzeuge durchsetzen. Und er will mit seinen Marken vorne dabei sein: „Wir werden in Spanien auf Basis der modularen Elektro-Plattform von VW einen leistbaren Kleinwagen bauen, der für den urbanen Großraum ideal ist. 2025 ist praktisch übermorgen – unser Ziel ist ehrgeizig, aber erreichbar.“
Neue Vertriebskonzepte
Woran es in der Praxis hapert, ist Griffiths ebenfalls klar: „Aktuell wartet jeder ab. Die Kunden auf die Infrastruktur, die Infrastruktur auf mehr Kunden, die Investitionen rechtfertigen.“ Was seinen Heimmarkt betrifft, bringt er es auf den Punkt: „Es hat keinen Sinn, Elektroautos in Spanien zu bauen, wenn die Spanier sie nicht kaufen.“
Neue Vertriebskonzepte sieht er dort und auch im Rest Europas im Kommen: „Sharing ist nicht unbedingt profitabel, aber generiert neue Kunden.“ Für die Zukunft sieht er bei Mieten mit Wechselmöglichkeit zu anderen Modellen – sogenannten Auto-Abos – hohes Potenzial, auch um der Kaufangst vor Elektro-Pkws entgegenzuwirken. „Wir müssen auch Mobilität anbieten und verkaufen, nicht nur Produkte.“ PAB
„Österreich ist für uns Benchmark. Wir haben hier mehr junge Kunden als irgendwo.“