Ein Kleindarsteller ohne Firlefanz

Motor / 13.08.2021 • 11:26 Uhr
Die große Aufgeregtheit ist dem Dacia Sandero fremd: Sein überzeugender Vorzug ist die solide Alltagstauglichkeit.vn/sams
Die große Aufgeregtheit ist dem Dacia Sandero fremd: Sein überzeugender Vorzug ist die solide Alltagstauglichkeit.vn/sams

Der nach wie vor günstige Dacia Sandero zieht seinen Mehrwert aus praktischen Eigenschaften.

Dacia Achtung, aufgepasst! Das ist das Autorätsel zum Wochenende. Wie heißt das rollende Sparhörnchen, das zu aller Freude auch noch richtig viel zu bieten hat? Lassen Sie sich helfen: Sandero! Genau, es handelt sich um den Minimalisten von Dacia, der jetzt in schon dritter Generation am Start ist.

Der Karpaten-Kleindarsteller aus der Vier-Meter-Klasse fällt im Straßenverkehr zwar nicht großartig auf, hat aber inzwischen längst einen prima Ruf bei Smartshoppern – etwa preisbewusste Jungpartnerschaften oder genügsame Seniorenpaare -, die beim Autokauf nicht wollen, dass sich gleich ein größeres Loch in ihre Geldtasche brennt.

Eins ist sicher: Der Sandero hat das Image einer mobilen Verzichtserklärung längst abgelegt.

Neue Gefälligkeit

Geradezu frisch und flott fährt die Neuauflage vor. Die neu durchgestylte Karosserie wirkt modern, die Straffung mit Ecken und Kanten zwischendurch, lässt den Anspruch auf eine neue Gefälligkeit im griffigen Kompaktformat deutlich erkennen. Den diskreten Flirt mit der Dynamik pflegt der 4,08-Meter kurze Dacia-Hatch auch über ein neues Felgendesign, ausgewählte Trendlacke und LED-Scheinwerfer.

In jedem Fall passt beim neuen Sandero der Mitnahme-Effekt. Trotz geringer Abmessungen kommt kein echtes Gefühl der Enge auf. Vorne herrschen durchaus bequeme Platzverhältnisse vor und auch hinten ist es so, dass die Mitfahrer nicht gleich mit den Knien an den Vordersitzen scheuern. Außerdem hat der Kleinwagen einen praxistauglichen Kofferraum, der sich durch Umlegen der Rücksitzbank von 320 auf 1200 Liter Fassungsvermögen erweitern lässt. Allein störend sind der etwas umständliche Heckklappengriff und die immer noch vergleichsweise hohe Ladekante. Getränkekisten darüber hinweg zu wuchten, das kann bisweilen schon nervig sein. Wer, wie wir im VN-Test, im Sandero der „Comfort“-Ausführung unterwegs ist, wird hingegen an Bord auch so angenehm feine optionale Beigaben wie Klimaautomatik, Parksensoren vorne und hinten, Rückfahrkamera, Sitzheizung und Totwinkelwarner vorfinden. Was man sich indes wünscht, ist, dass die einen im sachlich-nüchternen Cockpit umgebende Kunststofflandschaft noch weiter an Charme gewinnen möge.

Dafür kann man sich an der weitgehenden Funktionalität der Bedienelemente erfreuen. Das Multimedia-Navi-System mit 8-Zoll-Touchscreen sichert die informative Grundversorgung. Im Alltagsbetrieb ist der Dacia in der von uns gefahrenen 91-PS-Version ein kreuzbraver Vernunfttyp. Wer fleißig schaltet, kann durchaus zügig vorankommen. Dabei zieht der Fronttriebler leicht untersteuernd stabil durch die Kurven. Komfort, Geradeauslauf und Fahrleistungen sind sowohl bei Überlandfahrten als auch bei gelegentlichen Autobahnausflügen insgesamt sehr ordentlich. Wenngleich der wackere 1,0-l-Dreizylinder-Turbobenziner bald einmal vernehmbar an seine Grenzen stößt. Bei höheren Drehzahlen wirkt der Sandero schon ziemlich angestrengt. Also ist daher auf längeren Strecken tatsächlich Gelassenheit angesagt. VN-HGP

In der Ruhe liegt die Kraft. Der Sandero mag es am liebsten, wenn es unaufgeregt durch den Alltagsverkehr geht.

Die große Aufgeregtheit ist dem Dacia Sandero fremd: Sein überzeugender Vorzug ist die solide Alltagstauglichkeit.vn/sams
Die große Aufgeregtheit ist dem Dacia Sandero fremd: Sein überzeugender Vorzug ist die solide Alltagstauglichkeit.vn/sams
Stimmiges Design von vorne bis hinten: Das neu durchgestylte Blechkleid ist gefällig.
Stimmiges Design von vorne bis hinten: Das neu durchgestylte Blechkleid ist gefällig.
Alles sehr überschaubar: Das Innenleben ist einfach und nüchtern, aber komplett.
Alles sehr überschaubar: Das Innenleben ist einfach und nüchtern, aber komplett.

Fakten und Daten

Motor/Antrieb Reihen-3-Zylinderbenziner, 91 PS, 160 Nm/2100 – 3750 U/min, Frontantrieb, 6-Gang-Getriebe

Fahrleistung/Verbrauch 0 – 100 km/h: 11,7 Sek., Spitze: 178 km/h, Norm: 5,1 l (132g CO2/km) Test: 6,0

Preis Grundpreis: 12.090 Euro, Testwagen: 14.537 Euro.