Revolution auf Rädern

Motor / 06.08.2021 • 10:33 Uhr
Der EQS ist das erste Elektrofahrzeug von Mercedes, das auf einer eigens dafür entwickelten Plattform basiert.Werk
Der EQS ist das erste Elektrofahrzeug von Mercedes, das auf einer eigens dafür entwickelten Plattform basiert.Werk

Wenn im Herbst der Mercedes EQS zu den Händlern rollt, beginnt für die Elektromobilität eine neue Zeitrechnung.

Mercedes-Benz Es sind nur drei Buchstaben, aber sie stehen für den Eintritt in eine neue Welt des Autofahrens: EQS. Was Mercedes mit seiner elektrischen Luxuslimousine auf die Räder gestellt hat, sprengt bisherige Dimensionen. Es ist nicht übertrieben zu behaupten: Dieses Fahrzeug ist derzeit das weltweit beste Elektroauto – und dazu noch einzigartig. Konkurrenz? Nicht in Sicht.

Schon wer sich – mit dem Schlüssel in der Tasche – dem EQS nähert, erlebt eine ungewohnte Show. Die Fahrertür öffnet sich automatisch und schließt ebenso, sobald man hinter dem Lenkrad sitzt und die Bremse tritt. Einsteigen, ohne die Tür berührt zu haben. Das bietet nicht einmal Rolls-Royce. Ebenso wenig das Wow-Erlebnis im digitalen Cockpit. Quer über die gesamte Armaturentafel spannt sich ein riesiges Display, wie es die Autowelt in ähnlicher Dimension vielleicht einmal in irgendwelchen Zukunftsstudien bewundert hat, nicht aber in einem Serienfahrzeug. Mercedes nennt seine Science-Fiction-Bildschirm-Landschaft „Hyper Screen“.

Eigene Elektro-Plattform

Der EQS ist das erste Elektrofahrzeug von Mercedes, das auf einer eigens dafür entwickelten Plattform basiert. Sie heißt EVA (Electric Vehicle Architecture“ und wird in den kommenden Jahren noch unter drei weiteren Modellen stecken: EQE als Limousine und SUV sowie den EQS als SUV. Mit diesen vier Oberklasse- und Luxus-Stromern will Mercedes weltweit ein möglichst großes Kundensegment erreichen.

Die EVA-Plattform ermöglichte den Entwicklern und Designern völlig neue Freiräume, die sie mit einer auf E-Antrieb umgebauten S-Klasse niemals hätten erreichen können. Durch den extrem langen Radstand und die kurzen Überhänge steht den Insassen sehr viel mehr Platz zur Verfügung. Weitere Luft verschafft das Fehlen von Kardanwelle, Auspuffanlage und Getriebe. Zudem ist ein Elektromotor deutlich kleiner als ein gleichstarker Verbrenner.

Auf den Rücksitzen herrscht daher Beinfreiheit wie in der Businessclass. Und im Unterschied zur S-Klasse öffnet man beim EQS das Gepäckabteil über eine große Heckklappe. Per Schalter lassen sich sogleich die Rücksitzlehnen geteilt umlegen und schaffen einen Laderaum, den auch mancher Kombi gerne hätte: 1760 Liter.

Bis zu 780 Kilometer Reichweite

Wenn im Oktober die ersten EQS in den Handel gehen, wird es zunächst zwei Varianten geben. Den Einstieg bildet der EQS 450+. Bei ihm sitzt ein 245 kW starker E-Motor an der Hinterachse und treibt die Hinterräder an. Beim EQS 580 4Matic sitzt auch ein Elektromotor (135 kW) an der Vorderachse. Das allradgetriebene Topmodell kommt so auf eine Gesamtleistung von 385 kW, nach alter Währung 524 PS.

Grundlegend abschließen möchte Mercedes mit dem leidigen Thema Reichweite; für viele noch immer ein zentraler Aspekt, Nein zu sagen. Nicht nur die 780 Kilometer (nach dem WLTP-Normzyklus), sondern auch der gute Ladekomfort des EQS dürften jetzt wohl auch dem letzten Zweifler die Argumente nehmen. Den Batterie-Experten gelang es, die Ladefähigkeit der Zellen so zu optimieren, dass an einer DC-Schnellladesäule (Gleichstrom) innerhalb von 15 Minuten bis zu 300 Kilometer Fahrstrecke „nachgetankt“ werden können.

Die hohe Reichweite ist neben der schieren Batteriegröße von 107,8 kWh auch das Ergebnis einer ausgefeilten Aerodynamik sowie eines auf hohe Effizienz getrimmten Antriebs. Kein E-Auto in ähnlicher Größe fährt sparsamer. Wer die Leistung nicht ständig abruft und bei der Rekuperation im Automatik-Modus unterwegs ist, kann durchaus mit 16 bis 17 kWh pro 100 Kilometer unterwegs sein. SP-X

Im Mercedes EQS scheint man mehr zu schweben als zu rollen. Der Fahrkomfort ist unerreicht.

Der EQS ist das erste Elektrofahrzeug von Mercedes, das auf einer eigens dafür entwickelten Plattform basiert.Werk
Der EQS ist das erste Elektrofahrzeug von Mercedes, das auf einer eigens dafür entwickelten Plattform basiert.Werk
In 15 Minuten können bis zu 300 Kilometer Fahrstrecke „nachgetankt“ werden.
In 15 Minuten können bis zu 300 Kilometer Fahrstrecke „nachgetankt“ werden.
Quer über die gesamte Armaturentafel spannt sich ein riesiges Display.
Quer über die gesamte Armaturentafel spannt sich ein riesiges Display.

Fakten und Daten

Motor/Antrieb EQS 450+ mit 245 kW Leistung, Heckantrieb, Reichweite 780 km; EQS 580 4Matic mit 385 kW, Allrad, Reichweite 676 km

Fahrleistung 0 auf 100 in 6,2 (450+) bzw. 4,3 (580 4Matic), Spitze 210 km/h

Preis noch nicht kommuniziert