Die Kunst der ewigen Verbesserung

Die neue S-Klasse von Mercedes dreht weiter an der Schraube für gehobene Ansprüche.
Mercedes Ihrem Ruf nach war die S-Klasse schon bisher das beste Serienfahrzeug der Welt. Was also noch besser machen? Die schlichte Antwort: alles. Die Stuttgarter haben sich nicht mit Details aufgehalten – das neue Flaggschiff ist eine komplette Neukonstruktion. Mechanisch und digital auf dem neuesten Stand und mit ein paar Features schon in die Zukunft vorgreifend. In jedem Fall aber fit für künftige Technologien und als Basis für weitere Updates, Stichwort Plug-in-Hybrid, das erste batterieelektrische Premium-Modell EQS, oder vollautomatisiertes Parken und – die gesetzliche Genehmigung vorausgesetzt – autonomes Fahren der nächsten Stufe.
Äußerlich gibt der S sich eher dezent, versteckt seine 5,18 Meter Gardemaß – in der Langversion sogar 5,29 Meter – in unaufdringlichem Design. Die Front mit den schmal geschnittenen Scheinwerfern mit Digitaltechnik passt sich der Vorgabe der aktuellen A- und E-Klasse an, die Linie nähert sich der des CLS, ist also sportlicher und eleganter geworden. Im Innenraum hat das Schwülstige der Vorgängergeneration einem geradlinigen Layout Platz gemacht, die Lüfterdüsen im Jet-Design sind rechteckigen Varianten gewichen. Und das Widescreen-Cockpit, gerade noch Ikone der Digitalisierung, ist auch schon wieder obsolet: Statt dessen wird jetzt ein 3D-Instrumentencluster geboten, flankiert von einem zentralen 12,8-Zoll-Infotainmentdisplay in der offenbar unvermeidlichen Tablet-Hochkant-Variante. Dazu augmented Reality der neuesten Art: Die bisher nur auf dem Bildschirm ersichtlichen Navi-Anweisungen werden nun auch im Head- up-Display in die tatsächlich gesehene Realität eingeblendet, mit der Fahrzeugbewegung abgeglichen und virtuell auf die Distanz, etwa der Abzweigung, angepasst. Sich damit noch zu verfahren ist praktisch kaum mehr möglich.
Wendigkeit
Die mitlenkenden Hinterrräder schlagen nun um bis zu zehn Grad ein, was nicht nur beeindruckend aussieht – vor allem beim Einparken, in winkeligen Innenstädten und Kreisverkehren – das alles bewältigt die S-Klasse nun mit der Wendigkeit eines Kompaktmodells. In Sachen Fahrkomfort und Wohlfühlen an Bord sind die Verbesserungen tatsächlich nur noch subjektiv wahrnehmbar, ebenso bei der Souveränität von Leistungsabgabe und Handling.
Die Motorenpalette hat ihr letztes Update noch im Vorgängermodell erfahren, zum Marktstart des neuen im Dezember werden daher die bereits bekannten Selbstzünder-Varianten S 350 d mit 286 PS und S 400 d mit 330 PS angeboten, darüber der S 500 mit 435 Pferden. Zunächst wird nur der schwächere Diesel auch mit Hinterradantrieb verfügbar sein, ansonsten trabt die S-Klasse auf allen Vieren an. Als Kritikpunkt bleibt tatsächlich nur, dass sich Mercedes seine Innovationen teuer ablösen lässt: Die beeeindruckenden neuen Features, egal ob 3D-Cockpit, Head-up-Augmented Reality, Vierrad-Lenkung oder die Digital-Scheinwerfer, müssen sämtlich in der Aufpreisliste dazugewählt werden.



Fakten und Daten
Motor/Antrieb R6-Zylinder, 286 PS, Hinter- oder Allradantrieb (S 350 d); 330 PS, Allradantrieb (S 400 d); 436 PS, Allradantrieb (S 500); 9-G-Automatik
Fahrleistung/Verbrauch S 350 d: 0-100 km/h in 6,4 Sek., 6,6 l D (173 g CO2/km); S 400 d 4Matic: 0-100 km/h in 5,4 Sek.,6,8 l D ( 178 CO2/km); S 500 4Matic: 0-100 km/h in 4,9 Sek., 8,0 l S (182 g CO2/km); Spitze: 250 km/h (alle)
Kaufpreis S 350 d: 112.420 Euro; S 400 d 4Matic: 125.200 Euro, S 500 4Matic: 137.040 Euro