Beinharter Rocker im Straßenritt

VW-Kompakt-SUV mit 300 PS: Der T-Roc R als kompromissloser Hochsitz-Express.
VW Wenn Volkswagen auf Breitensport macht, heißt die Kurzformel dafür „R“. Der jüngste Hot Hatch aus dem Wolfsburger Sportstudio ist der T-Roc R. Nachdem der durchgestylte Hochbeiner im Golfformat längst für Aufsehen sorgt, hat VW den kompakten Softroader noch einmal in die Muckibude geschickt und den T-Roc in der „R“-Version zum Push-up-SUV austrainiert.
Ohne Krawalldesign
Der aufgemotzte Hochsitz-Provokateur, der gleichsam eine Attacke gegen die allgemein verordnete Vernunft im Straßenverkehr reitet, zielt zweifelsohne auf ambitionierte Ego-Typen ab. Also Autofans, die gegen die Langeweile im automobilen Alltag anfahren und sich dabei nicht mit klassentypischem Allerlei begnügen wollen. Was souverän-soliden Sportlernaturen indes gefallen dürfte, ist, dass der Kompakt-Kracher, der großspurig auf Dicke-Hose-Rocker macht, sich vergleichsweise zivil gibt und ohne Krawalldesign auskommt.

Ein wenig Karosserie-Kosmetik vorne und hinten, um die sportliche Note zu unterstreichen – und fertig. Dass beim T-Roc R richtig Feuer im Kamin ist, stellt der Wolfsburger Straßenfeger eigentlich nur mit der optionalen Akrapovic-Auspuffanlage zur Schau. Der Doppelfluter mit vier Endrohren macht den VW-Rocker zum echten Bollerwagen. Der röhrende, blubbernde und sprotzende Sportabgas kann einem nach gewisser Zeit aber auch mächtig auf die Ohren gehen. Dagegen ist der Klangteppich, den das 300-Watt-Soundsystem Beats Audio in den T-Roc R legt, eine feine Sache.
Hartplastiklandschaft
Überhaupt gefällt der Innenraum mit Digital-Cockpit, Sportsitzen, Alu-Pedalerie sowie Chrom-Applikationen und Farbakzenten. Dazu passt die üppige Auswahl an Assistenzsystemen. Allein störend wirken indes die Oberflächen der vorherrschenden Hartplastiklandschaft, die so gar nicht handschmeichelnd ist. Das kann VW eigentlich viel besser, gerade wenn man weiß, welchen Preis die Wolfsburger für ihren neuen Hardrocktypen aufrufen.
Übers Sportfahrwerk federt der T-Roc R knochentrocken, so dass sich Schlaglöcher gleichsam ungefiltert melden.
Fahreindruck
Dafür lässt es der T-Roc R aber auch wirklich krachen. Wer mit dem Hochsitz-Heizgerät unterwegs ist, für den gilt – auch wenn es unvernünftig klingt – Tempo kann glücklich machen. Das Vierzylinder-Turbotriebwerk schöpft aus dem Zwei-Liter-Hubraum satte 300 PS, hängt gierig am Gas, dreht munter hoch und hämmert zwischen 2000 und 5200 U/min stets 400 Newtonmeter auf die Antriebswellen. Das Kraftwerk an Bord hat so auch leichtes Spiel mit de 1575 Kilo Kampfgewicht des VW-SUV-Boliden.
Kurvenräuber
Dass sich der Allradantrieb förmlich in den Asphalt krallt, ergibt ein festes Vertrauen in die Spurtreue des T-Roc R. So hat der hochbeinige Temperamentsbolzen tatsächlich das Zeug zum Kurvenräuber der Landstraße. Genauso geeignet ist der kraftstrotzende Kompakt-SUV aber auch zum richtungsstabilen Kilometerfresser auf der Autobahn. Im beschleunigten Fahrbetrieb nimmt man denn auch hin, dass der Abrollkomfort durch die 19-Zoll-Räder schon spürbar reduziert ist. Außerdem hat es das Sportfahrwerk in sich, damit wird der T-Roc R in der Tat zum beinharten Rocker. Also aufgepasst, kein Schlagloch übersehen. In der Gesamtschau ist der Muntermacher aus Wolfsburg also ein echter Lustkauf nach dem Motto: Take it or leave it!
Fakten und Daten
Motor/Antrieb: 2,0-l-Vierzylinderturbo, 300 PS, 400 Nm/2000 – 5200 U/min, Allrad, 7-G-Doppelkupplung
Fahrleistung/Verbrauch: 0 auf 100 km/h: 4,8 Sek., Spitze: 250 km/h, Norm: 7,5 l (171g CO2/km), Test: 9,4 l
Preis: Grundpreis: 50.156 Euro; Testwagen: 60.892 Euro
