Als Walter Kittelberger das Motorflugzeug „Bregenz“ baute

Motor / 19.07.2019 • 11:20 Uhr
Kittelberger-Meister A. Vonach (1.v.li), Pilot H. Wichser (3.v.li.), Karl (4.v.li.) und Walter Kittelberger (5.v.li.) mit Gattin Anna (6.v.li.), Ernt Kulhay (ganz rechts). Kittelberger/Rupp
Kittelberger-Meister A. Vonach (1.v.li), Pilot H. Wichser (3.v.li.), Karl (4.v.li.) und Walter Kittelberger (5.v.li.) mit Gattin Anna (6.v.li.), Ernt Kulhay (ganz rechts). Kittelberger/Rupp

In der Segelfliegerszene hatte der Name Kittelberger einen guten Klang.

bregenz Bereits 1928 war Walter Kittelberger eifrig mit der Konstruktion und dem Bau eines Motorflugzeuges beschäftigt. Nur mit bescheidenen finanziellen Mitteln ausgestattet, gelang es ihm im Sommer 1929, das Flugzeug fertigzustellen. Es trug die Bezeichnung WKM I, das bedeutete „Walter Kittelberger Motorflugzeug 1“; seine Segelflugzeuge trugen die Kennung „WKS“. Im Festsaal des Austriahauses in der Bregenzer Belruptstraße konnten die interessierten Besucher das Flugzeug, das nach den modernsten Grundlagen der Flugtechnik hergestellt wurde, besichtigen. Kittelberger gab dem Kleinflugzeug den Namen „Bregenz“, der gut lesbar am Rumpfvorderteil aufgemalt war.

Zweisitziger Hochdecker

Bei der „WKM I“ handelte es sich um einen zweisitzigen Hochdecker, die Spannweite der Flügel betrug 10,4 Meter und die Rumpflänge 6,5 Meter. Das Eigengewicht betrug 200 kg, die zuladbare Nutzlast (Pilot, 1 Fahrgast und Gepäck) lag bei 190 kg. Der zweizylindrige MAG Motor in V-Form leistete mit seinen 1100 ccm etwa 28 bis 30 PS, die maximale Reisegeschwindigkeit betrug 120 km/h und der Aktionsradius wurde bei einem Verbrauch von fünf Liter Benzin pro Stunde mit 700 km angegeben. Die Betriebskosten betrugen für eine Flugstunde 3,50 Schilling. Beim Bau hatte Kittelberger das bewährte Flügelprofil „Göttingen 441“ angewendet, scheute jedoch nicht davor zurück, auch eigene Ideen zu verwenden: Bei dem vorwiegend aus Fichten-, Föhren- und Eschenholz gefertigten Flugzeug wurde auf die damals übliche Stoffbespannung verzichtet. Stattdessen wurden sämtliche Flächen mit 1 mm (!) starkem Sperrholz beplankt und somit als „tragende Haut“ angesehen, die einen torsionsfesten (verwindungsstabilen) Bau gewährleistete.

Kittelberger verzichtete auch auf die Federung des Fahrgestells, da die Räder auf einer elastischen Achse montiert und die Reifen größer dimensioniert wurden. Der Passagier saß auf dem vorderen Sitz, zu dem er über einen kleinen seitlichen Eingang gelangte. Der Pilot stieg von oben zu und nahm auf dem hinteren Sitz Platz. Ziemlich unangenehm hört sich heute die Information an, dass sich der Treibstofftank genau zwischen den beiden Sitzen befand.

Am 13. Oktober 1929 fanden auf dem Flugfeld in Höchst die ersten Rollversuche am Boden statt, bevor sich das Flugzeug, gesteuert vom Schweizer Leutnant Heinrich Wichser, in die Luft erhob. Die „Bregenz“ zeigte eine „tadellose Stabilität und unbedingte Flugtauglichkeit“. Während die Flüge am Vormittag tadellos verliefen, setzte bei einem Nachmittagsflug der Vergaser aus, so dass der Pilot auf einer unebenen Wiese notlanden musste und das Flugzeug leicht beschädigt wurde.

Möglicherweise war das Flugzeug „WKM I“ schon im Oktober 1930 nicht mehr voll funktionstüchtig, da Walter Kittelberger zu diesem Zeitpunkt den 2-Zylinder M.A.G. Motor – Zustand „wie neu“ – zum Verkauf anbot.

Kittelberger taufte das Flugzeug auf den Namen „Bregenz“
Kittelberger taufte das Flugzeug auf den Namen „Bregenz“
Hier eine Aufnahme, die die Überreste der „Bregenz“ zeigt.
Hier eine Aufnahme, die die Überreste der „Bregenz“ zeigt.